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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 1
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1873-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Salomon Ludwig Steinheim. 8 ihn anerkennen, wie sie die menschliche Freiheit anerkennt, weil es nicht möglich ist, diese gelten zu lassen, ohne dieselbe Freiheit, uls erste Ursache durch Nichts bedingt wirken zu können, für den Schöpfer des Weltganzen anznnehuren. Es ist kein Einwand gegen diese Freiheit, wenn gesagt wird, sie ließe sich nicht erklären; denn erklären heißt etwas nach seinen Ursachen begreifen, woraus sich klar ergiebt, daß Freiheit ihrem Wesen nach unerklärlich sein muß, daß sie aufhört zu sein, wenn sie aufhört ein Wunder zu sein. Aber die Vernunft, die theils kritisch, theils konstruirend verfährt, sei gezwungen ihre eigenen Konstruktionen zu zerstören, weil sie an innerm Widerspruch kranke>l und wiederum das fremde ihr durch die Offenbarung gegebene Dogma von der Schöpfung aus Nichts ruhig hinzunehmen trotz feiner Unbegreiflichkeit, denn es trägt alle Merkmale des Thatsächlichen an sich, es ist gewissermaßen die nothwendige Verallgemeinerung der menschlichen Freiheit, die ihr Substrat in der göttlichen findet. Es ist absurd zu sagen: der Mensch ist frei, und Gott ist es nicht, also hat Gott aus nichts die Welt erschaffen. So wird Ethik und Metaphysik in den genauesten Zusammenhang gebracht, und indem St. die Schöpfung aus Nichts der jüdischen Offenbarung dem Heidenthum entgegenstellt, entwickelt er auf die geistvollste Weise, wie alle Härten und Unwtirdigkeiten des Weltlanfes eben in dieser Abwendung von der jüdischen Lehre ihren Ursprung haben. Besonders tiefsinnig ist es, wenn er die politische Gleichheit und Freiheit, die Scheu vor dem Köiügthum, kurz den theokratischen Staat mit ihr in Verbindung bringt. Wo die Materie als ein Ewiges gelte, so meint er, da wäre es kein Wunder, daß inan der Descendenztheorie huldige, daß man treu dem Kausalitätsprincipe von den Nachkommen großer Ahnen eine größere Tüchtigkeit erwarte, und Erbadel und Königthum seien naturgemäße Ausbildungen dieses Princips. Auf dem Boden der sittlichen Freiheit aber müsse sich ein anderes Staatsideal erheben:

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