Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Übertretung religiöser Verbote nach dem Talmud
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
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religiöser Verbote nach dem Talmud. 41 und anderen Verboten gemacht, u. z. folgender: Zn einer Arbeit ist ein bestimmtes Maaß erforderlich, das gemacht werden muß, um Strafe nach sich zu ziehen. War die Hälfte beabsichtigt, und es trat gegen Wissen und Willen die ganze Handlung ein, so ist sie straflos, was bei עריות und חלבים nicht stattfindet, weil hier die theilweise Handlitng schon biblisch verboten ist, woraus gleichfalls geschlossen werden muß, daß, wenn eine erlaubte Handlung beabsichtigt war, dies ca8u8 und straflos ist. Nach der älteren Auffassung ist sonach casus ohne Unterschied straflos, mit Ausnahme von zugefügtem Schaden. Da gilt der Satz ארם מועד לעולם (Baba Kama 26), also auch casus strafbar. 2. מלאכה שאינו צריכה לגופה. Hinsichtlich der Sabbatarbeit hat die ältere Halacha eine strengere Auffassung gehabt, als die jüngere.*) Die Schule Schammai's, und deren späterer Repräsentant R. Elieser scheinen diese alte Auffassung behauptet zu haben. So verbietet die Schule Schammä! Handlungen vor Sabbat vorznnehmen, die am Sabbat nachwirken (Sabbat 1, M. 6—8.) R. Elieser hält viele Handlungen für biblisch verboten, welche die Chachamin! für straflos erklären (Sabbat 95). So wird ursprünglich auf die Absicht bei einer Sabbathandlnng gar keine Rücksicht genommen worden sein; finden wir doch von R. Elieser die Behauptung in der schon angeführten Controverse von שתי תינוקות, daß eine Handlung auch dann strafbar ist, wenn sie in der Absicht vorgenommen wurde, ein biblisches Gebot ausznführen, nachher aber durch Verwechselung des Gegenstandes das Gebot nicht vollzogen wurde. Die genauere Definition von מלאכה mit Hineinziehung des Zweckbegriffes wird erst von den Schülern R. Akiba's vorgenomulen sein, die, wie wir sehen werden, bis Rabah den babylonischen Amora immer weiter ausgebildet wird, und zwar mit immer größerer Rücksicht auf die Absicht. Zum leichteren Verständniß wollen wir die Handlungen in Bezug auf die Sabbatarbeit folgendermaßen eintheilen: Es giebt positive und negative Handlungen, je nachdem die Thätigkeit eine hervorbringende und ’) Vergl. Frankel, Monatsschrift II. Artikel, Essäer S. 37.