Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Herder's Bibelexegese
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 20)
- Language
- German
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Herder's Bibelexegrse. 35 Fragmellt bleiben, weil zu eiilem solchen Werke lisch viel 311 wenig Vorarbeiten vorhandeil waren; bei dein Dunkel, in welchem die Entwickeln>rg des jüdischen Geistes wahrend der letzten fmlf Jahrhuilderte v. Christi damals gehüllt war, und das selbst heute nach so vieleil eifrigen Forschungen lloch ilicht ansgehellt ist, koilnte ein solcher Plan ilicht zum Abschluß kommen. Ailch die Propheten, obgleich ilach feiner Meinung in ihnen der ״wahre Geist der hebräischen Poesie" sich offenbart, hat er nicht behandelt. Wenn es erlaubt ist, in diesen Dülgen einem subjektiven Dafürhalten Worte zu leiheil, so scheint es uns, als wenn ilicht blos ein Uebermaaß an anderer Beschäftiguilg ihil voil der Darstellung des jüdisch-prophetischen Geistes zunickge halten hätte, sondern eine gewisse unbestimmte Angst, daß der Messianismus der Propheten sich doch als gar zu divergent von dem christlichen ergeben würde. Herder hat in dieser Sammlung vo>l Aufsätzen die wirksanlste, wärmste, poetischste Apologie des biblischen Geistes geleistet, er hat die biblische Literatur durch sie in den Kreis der klassischen Literatureil eingeführt, dadurch, daß er nachwies, wie die Muttersprache der civilisirteu Menschheit, ihrer Religion und ihrer Sittlichkeit, die reinste Poesie sei. Zum Gelingen dieses Unternehmens trugen entscheidend bei, die zahlreich denr Text eingefügteil Uebersetzungeil, besonders ergreifender und erhabener Bibelabschnitte. Deml zumal in der Aesthetik lehrt matt besser durch Beispiele, als durch Theorietl; er selbst nennt diese Uebersetzungeil die Sterne seines Buches, auf die er trur das Augenmerk der Leser richtetl wolle durch seilte Bemerkungeli. Da wir in diesem Aufsatz nur eilte Deskription der Herder'schen Art die Bibel zu ittterpretiren geben ivollten, so könneit wir itus nach den voraitgegangerten Erörterungen kurz fassett. Er tritt in diesem Werke ilicht aus seiner früheru Art heraus; aber sie ist geläitterter und reiner; die Polemik ist würdevoll und int Raume eingeschränkt; er polemisirt jetzt ivie alle tüchtigen Schriftsteller dadurch, daß er es besser macht. Hiob, die mosaische Gesetzgebung, tmd die Psalmeit siitd die Gegenstände seiner bewundernden Betrachtung; in Hiob wird er mehr deit gewaltigen Naturschilderungen, denn der Grundidee dieses Lehrgedichtes ״von dent allgewaltigen Schicksal, welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt" gereckt; er setzt seilte Abfassung in die vormosaische