Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Herder's Bibelexegese
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 18)
- Language
- German
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tzerder's Dibelexegese. 33 dargestellt findet, ist in Wahrheit ein starker und bewußter Gegensatz zu den Neigungen und Anschauungeil des Orients und des ganzen Alterthnms der Grnndton des Sängers. Dieser ethischen Tendenz wegen ist es werth, ein Bestandtheil des Kanons zu sein; es offenbart eine neue Seite des jüdischen Geistes, der mit der hohen! Auffassung der Ehe, wie sie der Pentateuch sofort beim Eingang in einem erhabenen Mlffterium uns andentet, Ernst macht und gegenüber dem bloßen Lustgefühl, welches zur Polygamie führt, die Keuschheit und Sittlichkeit, welche die BionogLinie begründen, als die Merkmale echter Liebe kündet. Von diesem Gesichtspunkte aus kairn es ganz gleichgültig sein, ob Sakomon der Autor dieses Liedes ist, und wenn innere Griinde sonst dagegen sprechen, so ist keine Veranlassung, dasselbe dem vielgeliebten und vielliebenden Könige aufzuoktroyiren, wahrend Herder zu diesem Gewaltstreiche sich gezivuirgen sah, weil bei aller Apotheose naiver Unschnld Liebeslieder, die nichts mehr sein wollen, die nicht auch eine ethische Pointe habeil, schlechterdings in die heilige Schrift nicht hilleinpaffen. — Recht interessant ist die Stellung, welche Herder zu den allegorischen Erklärungsversuchen einnimmt. Sie elltsprechen dem Wortsinn nicht, aber es entgeht der Spürkraft Herder's für poetische Stinnnungen nicht, wie viel Poesie und Geniüthsinnigkeit in vielen dieser Deutungen zum Ausdruck konnnt. ״Solche Deutungen, sagt er, tragen stets die Gestalt ihres Vaters, des Erfiilders, fühlte der fein, so ist auch die Seide des Märchens sein, lvelches er aus Salomo spinilt, ist er grob, so kommt auch so ein dickhäutiges Schisfseil von Allegorik heraus, daß dem Leser die Nerven zittern. Sei es aber auch fein wie Spinngewebe, es ist nur imurer angesponuenes frenldes Gewebe, wenn es nicht aus der Schrift Salomo's natürlich wächst und von selbst gleichsam sich aufdringt. Wenn R. Jehuda fragt: warum es das hohe Lied heiße und antwortet, weil, wer dies hört, in seinem Gemüth mit himmlischen Sachen verbunden wird, so kann ich d i e F e i n h e i t der Antwort gar w o l leiden. Es gefällt nur, wenn es heißt: ״Schlvarz aber gar lieblich", das ist die israelitische Gemeinde, schwarz um ihrer Gefangenschaft, lieblich um ihrer Liebe und Frömmigkeit ivillen. ״Die Turteltaube läßt sich höreil", das ist die Stimme bei der Ankunft des Tr«nkel, Monattschrist. xu. 1. 3