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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 1
Article
Herder's Bibelexegese
Date
1872-01-01
Page
Seite 31 (sequence 16)
Language
German
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Herder'S Bibelexegese. 31 seiner im Moment schmerzlich empfundenen Strafe, zur Arbeit, zur Kultur. --Dieser Gedanke, als Grundlage der historischen Betrachtung so vortrefflich und trostreich, ist offenbar nicht die Grundlage dieser Erzählung, und Herder thut selbst, was er an Andern erbarmungslos ahndet, wenn er seine Lieblingsidee, die es auch wol werth ist, von einen: solchen Geiste geliebt zu werden, der Bibel in den Mund legt. Sein Ingrimm über Allegorisirung ist ein Rütteln an Ketten, die er selbst trägt. — Der ältesten Urkunde ließ er einige Jahre später ״Salomon's Lieder der Liebe, die ältesten und schönsten aus dem Morgenlande" folgen. Das ist ein köstliches Buch, trotzden: die heutige Wiffenschaft, sowohl seine Ansicht über den Verfasser, wie über Komposition und Tendenz des hohen Liedes längst überwunden und beseitigt hat. Denn Herder ist hier auf dem Wege, wo ihm die größten Erfolge wurden. Seine Theorie, sie hatte auf den vielen Gebieten, welche sein Geist pflegte, Mängel und Lücken: aber wenn er die Stimme des Volkes, sei es auf den schottischen Hochebenen, sei es im heißen Asien belauschte und ihre Töne wiedergab, da war er unübertrefflich, da vernehmen wir die Seelen längst vergangener, oder weitabwohnender Nationen; die heißblütige Orientalin, sie weiß, wenn Herder ihr Worte leiht, die ganze Glnth ihrer Liebe auch in die sonst kalten, rauhen, nordischen Laute zu legen. In seinem Hauptwerk ״vom Geist der hebräischen Poesie" spricht er sich hierüber wie folgt aus: ״Ich übersetzte lieber schöne Stellen, so viel ich konnte"; diese mögen Keinem zu viel dünken, denn sie sind der Zweck des Buches, sie sind die Sterne dieses sonst öden Raumes, sie sind die Frucht, und mein Buch nur Schale, wäre es mir gelungen die Proben, die ich hier gab, in ihrer alten Würde und Einfalt schön und gut darzustellen, so hätte ich mein Ziel wenigstens nicht ganz verfehlt, denn ich bin auch hierin von Luther's Meinung, daß wir die Propheten müssen lassen auf dem Pult sitzen, und wir hienieden zu ihren Füßen hören, was sie sagen, und nicht sagen, was sie hörenmüssen". Aber neben der Uebersetzung des hohen Liedes ist auch der Kommentar anmuthig zu lesen, und was er sich bei der ältesten Urkunde vorgenommen, jedoch nicht im entferutesten erreicht hat, ״au Kürze, Einfalt, an stiller, reger Wirkung und Kraft seinem Vorbild der Bibel gleichzukommen," ist ihm in

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