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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 1
Article
Herder's Bibelexegese
Date
1872-01-01
Page
Seite 30 (sequence 15)
Language
German
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30 Herdsr'Z Bibelexegese. morschen Ban untergeschoben, nm ihn wenigstens noch als ehrwürdige Ruine zu erhalten. Wir finden das Werthvolle dieser Herder'schen Arbeit gerade iit der Polemik, die überall Anstoß erregte, aber nur Anstoß zur Besserung war. Diese Polemik war äußerlich, wenn wir die angegriffenen Männer, wenn wir den wilden, ungestümeir Ton in Betracht ziehen, roh und ungehörig, aber innerlich berechtigt; vielleicht war ein Sturmwind nothwendig, um all die dürren rationalistischen Schrift-Erklärungsoersuche wegzufegen, um die Luft zu reinigen. Es lag ein richtiger Takt darin, daß Herder der Polemik fo breiten Raum in seinem Werke gönnt, was bekanntlich sonst nicht die Sache derer ist, die absolut Neues vorzutrageu haben, er fühlte es heraus, daß wie gut oder schlimm es auch mit seinen Ansichten bestellt fei, er jedenfalls darin Recht habe, daß seine Gegner im Unrechte seien. Dieses Buch war ein Geivächs, das in sich den Keim des Untergangs trug; aber wenn Herder sagt, daß ihm dies gleich sei, sobald es nur Frucht für Andere bringe, so konnte er sich mit seinem Erfolge sicher zufrieden geben. Es war ein Sauerteig, an sich unschmackhaft und ungenießbar, aber der Bibelkritik, in welche er geworfen wurde, nützte er durch die Gährung, die er verursachte; ein Monstrum borrenällm, wie es Hamann nennt, aber ein monstrum borrenäum war auch das Porträt, welches er von der rationalistischen Schrifterklärung entworfen hatte. Weniger stürmisch und anspruchsvoll, aber schlichter mrd einfacher sind Herder's Auslegungen der Kapitel vorn Sündenfall, von der Sündfluth, vom Thurmbau zu Babel, u. s. w. So ist sicherlich die Ausdeutung des Liedes des Lamech, als eirres Lobliedes auf das eben erfundene Schwert ansprechend, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit. Aber irn Allgemeinen ist das unsichere Schwanken zwischerr der gläubigen Hiirnahme dieser Erzählungen urrd der kalten Prüfung ihrer Wahrscheinlichkeit, welches wir durch das Buch am Autor wahrnehmen, nicht ohne Einfluß auf seine Hypothesen. So hebt er in seiner Deutung des Sündenfalls die doch in der Schrift deutlich zu lessirden Strafen einfach auf, und sieht in der Erzählung nur die Allegorisirung des Satzes, daß die göttliche Erziehung auch die böse Handlung in dem großen Welthaushalt am Guten nritarbeiten lasse; die Sünde führte den Menschen wider seinen Willen, zu

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