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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 1 · p. Seite 27

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 1
Article
Herder's Bibelexegese
Date
1872-01-01
Page
Seite 27 (sequence 12)
Language
German
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Herder's Bibelexegese. 27 kaum ernsthaft nehmen würden. Und er hat auch damals dem Buche nicht gerade Freunde erworben. ״Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts, eine nach Jahrhunderten enthüllte heilige Schrift". Sollte man nicht glauben, es handle sich um ein Werk, das lauge Zeit aller Welt verborgen, jetzt von Herder an's Licht gezogen wurde? Und doch meint H. in Wahrheit, das erste Kapitel des unter den civilisirten Nationen am meisten bekannten, gelesenen und studirten Buches, der Bibel. Schon in diesem Titel lag der bitterste schneidigste Hohn gegen alle bisherigen Kommentatoren. und wenn wir bedenken, daß es das Erstlingswerk eines dreißigjährigen Autors ist, so wird uns der Ingrimm der Zunft über den Hochmuth des allerdings auf andern Gebieten schon erprobten Neulings nicht Wunder nehmen. Und Herder hat es absichtlich darauf angelegt, sich mit den bisherigen Bibeleregeten und Stimmführern zu Überwerfen. Er beginnt sein Buch wie folgt: ״Bibelübersetzung"! siehe da das neueste Studium der Mode. ״Streitigkeiten über Dogmatik uitb symbolische Bücher, Gottlob, etwas vorüber, so lang und lang die Bibel erläntert, warum nicht endlich auch neu übersetzen? Neue Religion haben wir uns schon halb ansgemacht und erfnnden, warum nicht auch eine neue Bibel dieser neuen Wasserreligion gemäß.Wer geglaubt hat, daß man die Bibel allbereits verstehe und mehr als verstehe, der lese dieses Werk. Es handelt, damit ich den Titel kurz erkläre, von nichts als dem ersten Kapitel des ersten Buches Moses. Ein kleiner Anfangsversuch, dem aber, was noch dahinter sei, man ahne und rathe. Wenn man selbst vor der Schwelle so schrecklich gestrauchelt, wenn selbst vor dem Eingang Decke hing, die noch Niemand weg zuziehen sich nur träumen lassen — man denke, was im Heiligthum sei." ״Wem ich mit diesem Anfang auf mehr als eine Weise gegen die Stirn fahre, der fahre zurück, aber setze sich nieder und lese. — Unb wenn er auch nichts weniger als Schwärmer und Ankläger findet, so lasse er sich die Sache gemeiner Noth zu Herzen gehen, und wünsche, daß sich erst ein Fürst erbarme, Bibelerklärung, und Bibelerklärer zu schaffen, Uebersetzung und Uebersetzer werden sich sodann genug finden. Wenn fast jeder Auskehricht aus einem Nebenfach der Litteratur einer desandern

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