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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 1 · p. Seite 26

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 1
Article
Herder's Bibelexegese
Date
1872-01-01
Page
Seite 26 (sequence 11)
Language
German
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26 Herder's Bibelexegese. tut Gegensatz zur gewöhnlichen Meinung steht, dennoch die Lösnng des Räthsels, daß bei so vielen Menschen, die große Erwartungen bei ihrem Eintritt in die Litteratur erweckt haben, ihre späteren Leistungen in gar keinem Verhältniß zu diesen anfangs gehegten Hoffnungen stehen, und es erklärt auch, warum von bett Herder'schen Werken, wenn man allenfalls die Ideen und seine Uebertrogungen aus fremden Sprachen ausnimmt, keines den Stempel klassischer Vollendung trägt. Er hielt mit seinem Reichthum nicht Haus, er hatte die rechte Liebe nicht für die Produkte seines Geistes, der intensive Wille, der nicht ruht, bis der geniale Gedanke, das Kind des Augenblicks, in aller! Einzelrtheiten vollendet und fertig dasteht, fehlte ihm. Diesen Fleiß, der sich allerdings reicht nach Stunden urrd Tagen ausmessen läßt, besaß Lessing trotz seiner urtsteten Natur, trotz seines sorgenbeschwerten Lebens; und wenn hie und da der Umstand, daß Herder's Werke größtentheils ungleich gearbeitete Fragmente sind, aus seiner schwankenden Gesundheit, aus seirter Ueberbürdung mit Amtsgeschäften u. ä. hergeleitet wird, so ist dies nur ein Versuch, etwas aus äußeren Zufällen zu erklären, was weit natürlicher als eine Eigenthümlichkeit dieses mehr blitzenden als gleichmäßig leuchtenden Geistes zu begreifen ist. Aber freilich kommt es bei Herder weit weniger darauf an; es waren ja eben nur Anregungen, die Herder bot. Seine Ideen durchzuckten mit scharfem Strahl dunkle Flächen; aber gar bald befand sich der Leser wieder im Dunkeln, er wußte nur, an dieser Stelle müsse er selbst mit dem eigenen Lichte nach Ertrag für die Wissenschaft graben. Bei Herder war fast der ganze Einfluß auf die Bildung der Nation ein fragmentarischer, ein anregender, aber kein abschließender. Da schadet es wenig, daß wir nur große Bruchstücke vor uns haben, und wir glauben, es fällt dem Leser kaum auf, da ihm so unendlich weite Perspektiven eröffnet werden, daß er gar nicht hoffen kann, der Autor werde ihn bis zur Grettze dieses Gesichtskreises führen. Scheint es nicht fast nothwendig, daß, wer einen Thurm bauen will, der zum Himmel reicht, damit nicht zu Rande kommt, und nur eine große Ruine aufrichtet? Die Originellste wol unter Herder's theologischen Schriften ist seine erste. Schon der Titel ist so seltsam, daß wir heut zu Tage ein Werk, das mit einer solchen Aufschrift sich bei uns einführt,

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