Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Herder's Bibelexegese
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 13)
- Language
- German
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Herder's Bibelexegese. 88 2(nftalt und Akademie gewürdigt worden — was braucht's die Bibel? Tas alte thörichte Buch, die alte, abgeschabte glaub-und nutzlose Urkunde des ausschweifenden Morgenlandes! Lies weiter Leser und du wirst sehen! Wirfst dir aber die ganze Schrift weg, weil hinter dem prächtigen Trugstitel von nichts als dem alten Moses die Rede sein sollte, so wirf! wir sind geschiedene Leute. Weder Moses, noch ich, glaube ich, haben an dir verloren!" Eine solche Vorrede spannt sicherlich außerordeutlich zu erfahren, was der Vers., der die Decke vom Heiligthum gehoben hat, denn gesehen habe. Herder findet in der Schöpfungsgeschichte eigentlich nur eine Schilderung des Aufgangs der Morgenröthe. Wir stehen vor Tagesanbruch auf einem Berge, Dunkel bedeckt den Erdboden, da plötzlich bricht der erste Lichtstrahl heraus: Himmel und Erde, die bisher in der Finsterniß in eins zusammengeflossen waren, trennen sich unserem Blicke, die Sonne tritt heraus; jetzt werden uns auch die einzelnen Theile des Erdreichs, das uns umgiebt, sichtbar, mir sehen das frische Grün, das den Boden schmückt, den Baum, der am Rande des Flusses steht, die Vögel, die sich gen Himmel erheben, die Thiere, welche die Wiese beleben, wir sehen den Menschen, wie er sich zur Arbeit anschickt. Die Morgenrvthe, mit der das Naturlebeu sich erneut, sie ist das Bild der Schöpfung. Daß dieselbe in sieben Theile zerfällt, stört zwar die innere Einheit des Bildes, aber sein höchster Zweck ist die Begründung des Ruhetages als einer heiligen Einrichtung, der Sabbat soll mit der Schöpfung selbst in Zusammenhang gebracht werden. Jedoch warum nun gerade sieben Tage? Hier findet Herder eine Hieroglyphe, ein uraltes Symbol, der Mensch ist als Bild das beste mnemonische Zeichen für die sieben, und wie er, gliedert sich die Schöpfung nach drei Mittlern Haupttheilen und zwei Paaren sich entsprechender Nebentheile zu einem Siebenglied. In dieser ältesten und natürlichsten Hieroglyphe ist der Mensch das Gleichniß der Schöpfung. ״Es ist nichts Anderes als Bild des Gauzen unter der Gestalt und Bildung des Menschen ": das große Weltall in der Hieroglyphe des Kleinen. Betrachte allein dies unvergleichliche Sieben! dies göttliche, seelenvolle Menschenantlitz, Mannigfaltigkeit und Einheit! Einheit und Mannigfaltigkeit, der Gedanke, dieser Sinn, Blitz des Auges, Hauch des Mundes,