Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Herder's Bibelexegese
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 10)
- Language
- German
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Hcvder's Bibclexegese 25 Exegeten, er ist gewissermaßen nur ein Franktireur auf diesem Gebiete: aber wie er außer der Zunft steht, so steht er auch über derselben. Es war nicht zufällig, daß er so viele Uebersetzungen biblischer Stellen seinen Schriften einsiigte; sie sind unstreitig das bei weiten! Vorzüglichste in denselben; was er über die Naivetät, über die Natürlichkeit des biblischen Ausdrucks sagte, das wurde dem Leser lebendig, wenn er die Herder'sche Uebersetznng las, das Helle Spiegelbild des Textes; das spröde deutsche Wort schmiegte sich der zartesten Nuance der Urschrift an, die keiuer'so trefflich wie er herauszuhorchen verstanden hat. Wohl ist er durch Hamann zu seinen Studien über die Sprache und den Orient geweckt worden, und die Wurzel seiner Größe liegt in den Jahren, da er zu Königsberg besonders die Ideen Hamann's in sich aufnahm. Aber wenn wir die reiche Saat sehen, die in Herders Schriften über Volkspoesie uns aufgegangen ist und sie mit dein Samenkorn verglichen, das in Haman's apokalyptischdunkeln Aufsätzen uns vorliegt, so möchten wir billig erstaunen über den unerwartet reichen und reine!: Ertrag, der aus solch kärglichem Korn aufgegangen ist. Wir wollen nunmehr nach dieser allgemeinen Charäkteristik des Geistes, in welchem Herder die hebräische Poesie erläuterte, noch auf die einzelnen Werke, mit denen er diesen Zweig der Litteratur befruchtet hat, etivas genauer einge- Heu. Es kommen hierbei wesentlich in Betracht: 1) die älteste Urkunde des Menschengeschlechts, eine nach Jahrhunderten enthüllte heilige Schrift. 2) Saloinon's Lieder der Liebe, die ältesten und schönsten aus dem Morgenland. 3) Vom Geist der hebräischen Poesie, eine Anleitung für die Liebhaber derselben und der ältesten Geschichte des menschlichen Geistes. Sowohl die älteste Urkunde, als der Geist der hebräischen Poesie sind Fragment geblieben,!vas nicht nur in äußern Zufällen, sondern in dem sraginentarischen Geiste des Autors seinen Grund hat. Ihn! war es gegeben, mit genialem Blick die Konception zu einen! großen Werke zu erfinden, aber ihm fehlte die Ausdauer uud der Fleiß, den Plan auszuführen; im raschen Fluge warf er die Gedankenblitze nieder, die aus seinem Kopfe leuchteten; wenn dieser Flug erlahmte, dann mar seine Arbeit zu Ende, inochte dem Werke auch noch so viel zur Vollendung fehlen. Das Schiller'sche Wort ״Genie sei Fleiß" ist, so sehr es