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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1871-01-01
Page
Seite 47 (sequence 6)
Language
German
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Recensionen. 47 wir wären begierig zu wissen, warum denn Herr Dr. Geiger dieses Bekenntiriß N. nicht in sein Werk ausgenommen hat. Vielleicht deswegen, weil dies Bekenntnis; gar nicht vorhanden ist? weit umgekehrt der Augenspiegel, die Antwort auf Pfefferkorn's Schmähschrift, eher einen Rückschritt zur Missive denn eine Aufrechterhaltung der im ״Gutachten" ausgesprochenen humanen Ideen im Gegensatz zum ״Sendschreiden" bedeutet? Auch im Ton ist kaum ein merklicher Unterschied zwischeu den Dominikanern und R uchlin, und wenn wir die erasmischen, doch gewiß bissigern und boshaftern Libelle lesen, so könnte man, was Schliff und Annruth der Polemik betrifft, glauben, es läge ein Zeitraum von Jahrhunderten zwischen diesen beiden ״Augen Deutschlands." Geradezu läppisch ist z. B. die Ketzerriecherei gegen Ortnin Gratius, weil dieser Maria alma Jovis maler genannt hat *). Selbst im großen Heere der Reuchlinisten gab es nur wenige, welche die Tragweite des Handels begriffen; den meisten waren die Judenbücher gleichgültig, und sie stellten sich in den epistolis illustrium virorum nur deswegen in Reih und Glied zur Abwehr, weil Reuchlin's Name eine Standarte der Humanisten war. Nur Hutten^) und Crotus gaben mit י) Obgleich vielleicht der Lärm um diese Nedefloskel zusammen mit der lutherischen Bewegung die heidnische Mythologie aus den Briefen und Gedichten der Humanisten verscheucht hat. 2) Bekanntlich hat sich Ulrich v. Hutten mit einem Gedicht an den Kardinal Hadrian gewandt zur Förderung Reuchlin's; im Titel nennt er ihn paU0׳nu3 Germanoriim. Böcking und Strauß halten diesen Adrian für bcu Kardinal Adrian v. Utrecht, den späteren Adrian VI. Geiger sagt ״das ist sicher nicht der Fall." Wir haben nicht die Absicht, die Sache hier zur Entscheidung zu bringen, aber die Gründe Geiger's gegen Strauß scheinen uns wenig stichhaltig. 1) Ist Adrian ein Niederländer und kein Deutscher; 2) ist er ein Gönner Hochslratens, und Hutten beschimpft diesen; 3) war A. Dominikaner und Hutten schildert ihre Schandthaten mit brennenden Farben. Ad 1 haben wir zu bemerken, daß Hutten den Erasmus das Auge Deutschlands nennt, und doch verstand dieser keinen deutschen Buchstaben. Das deutsche Reich war eben ein weiter Begriff, in dem vieles Platz hatte; ad 2 und 3 hat sich Pirkheimer nicht gescheut, an Adrian VI., als er auf den pabftitdjen Stuhl kam, ein Schreiben zu richten, in welchem er die lutherischen Wirren den Dominikanern zur Last legte; alles Unheil hätten sie und ihre Kompliecen angestiftet. Pirkheimer, der feiste nürnbergische Nathsherr, war sehr vorsichtig. Es muß also — und das wissen wir auch anderweitig — mit dein Fanatismus Adrians nicht so arg gewe-

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