Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 5)
- Language
- German
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46 Recensionen. pacem habebo." Diese Stelle enthält nur eine sehr starke ätzende Ironie: sie will sagen: Ich bitte dich himmelhoch, Majestät, schaffe mir diesen Pöbel vom Hals; so unerträglich ist mir dies Gesindel, daß ich Ihm alles Unrecht verziehe: nur mich sollen sie nicht länger plagen." Das kann, wie gesagt, zumal in einer Schrift, die sich zur Aufgabe den Nachweis stellt, wie seit Cäsar alle Imperatoren die Juden beschützt haben, nur ironisch verstanden werden, und Hr. Dr. Geiger versteht keinen Spaß, wenn er die Sache ernst nimmt; es ist sehr schön, unparteiisch auch gegen seinen Helden zu sein, nur immer hübsch am rechten Orte. Aber in der Hauptsache, daß dem R. Charakterstärke und Strenge fehlte, muß man ihm wohl zustimmen; und eben deßwegen ist der Streit zwischen N. und den Dominikanern nicht ein Streit zwischen ״Freiheit und Glaubenszwang," wenn auch die Freiheit dabei außerordentlich gewonnen hat; sie gewann aber wie der Baum, der aus dem Dünger neue Säfte und frisches Grün saugt. Eine schöne Freiheit das, die aus Menschenfurcht beim ersten Anprall die wichtigsten und deshalb am heftigsten angegriffenen Punkte preisgiebt, die hinterher bei den Köllner Inquisitoren um Gnade bettelt, die auch Sikingen's und Huttens scharfe Klingen Zur bessern Widerlegung des Gegners nicht verschmäht, *) die überhaupt sich viel um Papst und Koncilien scheert und nicht begreift, daß frei sein so viel heißt, als auf eigenen Füßen stehen und sich an Niemanden, am allerwenigsten an den Papst anlehnen. Neuchlin, dieser Bannerträger der Freiheit, hatte ja die Missive verfaßt, welche (S. 245) ähnliche Anschauungen wie die Pfefferkorns enthielt; und wenn der Verf. sagt, ״daß das Bekenntnis; zu richtigeren Ansichten gelangt zu sein, einen ehrlichen Mann nur adle", so ist dies schon ganz recht, aber 1) Wir können deshalb in den schroffen Ton nicht einstimmen, wenn Graetz, Bd. 9, S. 147, Anmerkung II sagt, die Verlogenheit Hochstraten's und des Dominikanerprovinzials ergiebt sich aus der Confrontirung zweier Aeußerungen, die von R.'s Biographen bisher unbeachtet geblieben ist. Und nun werden zwei Sätze angeführt: in dem einen erzählt Hochstraten, er hätte im Aufträge des Provinzials Reuchlin vor sein Tribunal geladen. Der andere einem Briefe dieses Provinzials, Eberhards v. Kleve an den Papst vom Mai 1820 (1826, wie a. a. O. zu lesen, ist wohl nur ein Versehen des Druckers) entnommen, steilt dies geradezu in Abrede. Graetz fügt hinzu, einer von beiden hat also geradezu gelogen; allerdings; und wir glauben, der Provinzial that's, als er Hochstraten verleugnete. Aber was sollte denn der arme Schelm anders thnn, wenn Sickingens Schwert der Genius war, der ihm den Brief in die Feder diktirt.