Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 4)
- Language
- German
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Recensionen. 45 er zu guter letzt noch Augustiner wurde, weil er feinem Großneffen Ilelanchthon die versprochene Bibliothek entzog, weil er mit einem Worte das Auftreten Luthers mißbilligte. Ja, das letztere thaten eigentlich, wenn wir den einzigen früh verstorbenen Hutten ausnehmen, alle Stimmführer der Humanisten; Erasmus von Rotterdam, Muüan, Pirkheimer, selbst Erotus, der Verfasser der Dunkelmännerbriefe, sie alle haben als Kathöliken ihr Leben geendet; Morus hat sogar die ״utopische" Meinung, die Reformation müsse Haupt und Glieder und nicht nur die Glieder allein treffen, mit den! Scheiterhaufen gebüßt. Haben sie darum nicht doch, wie die Mouche sagten, die Eier gelegt, die Luther ausgebrütet hat? Haben sie nicht die Flamme entzündet, wenn sie auch, als sie lichterloh brannte, sich davon schlichen und so thaten, als waren sie nicht dabei gewesen? Wenn sie sich später zurückzogen, so geschah es, weil sie die Gewaltthätigkeit Luthers mißbilligten, seine ״paradoxa und aenigmata" d. h. die jetzige protestantische Dogmatik nicht begriffen, weil sie endlich ganz wie die spätere Voltairianer völlig zufrieden waren, wenn 168 hommes d’esprit aufgeklärten Anschauungen sich znneigten; die Menge draußen mochte nach Abstellung der gröbsten Mißbräuche glauben, was da immer; die humaniora schliffen die Charaktere; da gaben sie wenig Anstoß, aber sie nahmen auch wenig Anstoß. Es scheint etwas wahres zu sein an den! ovidischeu Worte: emoilifc morea didicisse fideliter artes, wenn wir es auf Rhetorik und Poetik beziehen. Diese Männer scheuten vor Allen! den öffentlichen Eclat. Pirkheimer, der Humanist, läßt ruhig die Juden aus Nürnberg verjagen; er sitzt im Rath, aber er widerspricht nicht. Reuchim will aus Liebe zur Kabbala, vielleicht auch aus echt humanem Sinne, das jüdische Schriftthum schützen, aber das Gutachten, das er dem Kaiser übergiebr, soll hübsch geheim bleiben; er wird bitterböse, als es in die Öffentlichkeit dringt, ganz ebenso wie einige Jahre später Erasmus, als Hutten dessen der lutherischen Bewegung günstigen Brief an Cardinal Albrecht v. Mainz in weitere Kreise brachte. Was braucht auch alle Welt zu wissen, wie gelehrte Leute über gewisse Dinge denken.! Zwar beruht es auf einem groben Mißperständniß, wenn der Vers, zur Erhärtung ״einer an Feigheit gränzenden Schwäche" (S. 274) eine Stelle eitirt, ״welche Neuchlin schändet" und die folgendermaßen lautet: orandus igitur o Caesar et implorandus mihies, ui islis hominum peslibus et avaritiae barathris permiltes saltem aut certe mandes comminatione incendii Judaeos concutere, ut eas imperii tibi oves glubant non toudeant; Suant, auferant, habeant sibi au rum judaVcum et ego