Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 3)
- Language
- German
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Recensionen. 44 mantif vortheilhaft absticht von dem einförmigen Dasein Reuchlins, so sehr Erasmus diesen übertrifft durch Eleganz des Stil's wie die Wucht und Fülle seiner Literarischen Arbeit, hat bei' Weitem nicht so viel Darsteller gefunden. Dieser Streit füllt auch in der neuesten von Hrn. Dr. Geiger verfaßten Biographie Reuchlin's, die uns zur Besprechung vorliegt, den größten Theil des ungefähr fünf hundert Seiten starken Bandes. Der Biograph Reuchlins ist in einer eigenthümlichen Lage, wenn er über die Leistungen sprechen soll, die seinen Ruhm bei den Zeitgenossen begründet haben. Der Ruhm eines Gelehrten sind gewöhnlich seine Bücher; aber Bücher waren es nicht, die Reuchlin in der Meinung seiner Zeitgenossen so hoch stellten: seine Komödien sind nicht von großem Belang, seinen Stil tadelt Erasmus als rauh und ungehobelt; die Kabbala gar erhielt einen Ehrenplatz im ״Lob der Narrheit". Reuchlin hat ein größeres Verdienst um den deutschen Humanismus, als dies, gute Bücher geschrieben zu haben; er hat die Keuntniß des Griechischen in Deutschland eingebürgert; dies Verdienst hat ihn so hoch gehoben; aber diese Thätigkeit kennen wir hauptsächlich nur aus dem Widerhall, der im Beifall seiner Zeitgenossen zu uns hinübertönt; er selbst hat in keiner großem wissenschaftlichen Arbeit seine ausgebreitete Kenntnih des Griechischen verwerthet und dadurch ein Zeugnis; derselben auf die Nachwelt gebracht. Vielleicht erklärt es sich hieraus, wenn in der Darstellung des Di*. Geiger die Partie, welche der wissenschaftlichen Laufbahn R. gewidmet ist, trotz der fast ermüdenden Weitschweifigkeit, trotz einer Ausführlichkeit, welche ganze Papierkörbe voll Notizen über den Leser ausschüttet — was der Verfasser weiß, muß zugleich der Leser erfahren, — nicht den Eindruck hervorbringt, als hätten wir es mit einem durch seine Gelehrsamkeit weltberühmten Manne zu thun. Aber auch in der Schilderung des Streits mit Pfefferkörn und den Dominikanern vermissen wir bei allem Fleiß des Notizen- und Büchersammlers Klarheit der Anschauung, Korrektheit in Anführung der Thatsachen. Dieser Streit ist Hrn. Dr. Geiger der Kampf zwischen Freiheit und Glaubenszwaug; dennoch behauptet er ״daß Reuchlin den Namen eines Vorläufers der Reformation nicht verdiene" (S. 148). Wie? Reuchlin kein Vorläufer der Reformation? Er, der am Anfang der lutherischen Bewegung so oft mit Luther zusammengenannt und zusammengeworfen wird, der in seinem ״Sergius" den Heiligenkram mit scharfen hutten'schen Hieben wund geißelt, der die kebraiea ver!ta8 der vulgata entgegengestellt hat, er kein Vorläufer der Reformation? Und warum nicht? ״Er stand auf dem Standpunkt der alten Kirche," weil