Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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Ei niges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth. 35 Zeugenverhör gewesen sein? Ilm eine Antwort war man nicht verlegen. Man fand die Veranlassung in der, ohne Zweifel gleichzeitig mit der tagertden Synode stattgefundenen Amtsentsetzung R. Gamliel's und Ernennung des R. Eliasar ben Asarja als dessen Nachfolgers, welches allerdings eiten so wichtige als höchst seltene Ereigniß die Ueberlieferung den spätern Geschlechtern getreu aufbewahrt hatte. Die scheürbar naturgemäße Kombination wurde ihrerseits Veranlassung zu unkritischen Mißgriffen. Die so bestimmt lautende und objektiv gehaltene Nachricht ließ auch Rapoport die Stinnne vieler Zeugen überhören, die ein Unbefangener in den ziemlich ansehnlichen Quellennachrichten über die Tragweite der Differenzen zwischen den gedachten Schulen vernimmt, und die indirekt ganz andere Thatsachen als einen Personenwechsel in der Nasiwürde als Ursachen jenes Zeugenverhöres vermuthen lassen. Es sind aber nicht indirekte Zeugen allein, die die besprochene Ouellencombiuation verdächtig machen. Es findet sich auch ein direktes Zeugniß, das nicht den leisesten Zweifel an der Richtigkeit unserer Vermuthung aufkommen läßt, daß in den gefährlichen Dimensionen, die das Auseinandergehen der zwei bewußten Richtungen angenommen, jene Versammlung ihren Ursprung habe. Daß dieses Zeugniß sich der Aufmerksamkeit der Kritik entzogen hat, Z ist um so befremdender, als es sich in der Tosephtha am Eingänge unseres Traktats befindet. Freilich sieht man, was Rapoport betrifft, den Grund der Nichtbeachtung dieses Passus leicht ein. Die nrangelhafte und verkommene Gestalt, die besonders den Traktat Edojoth in der Tosephtha sehr verunstaltet, machte auf Rapoport, seiner eigenen Erklärung gemäß (a. a. O.), einen solchen schlechten Eindruck, daß er ihn Hinsicht- ') Einen Augenblick könnte cs unbegreiflich scheinen, wie Graetz, der dieser Notiz seine volle Aufmerksamkeit zuwendet und ihre Bedeutung so richtig erkannt, ans einmal, beinahe am Ende des Zieles, den alten Weg wieder einschlügt und unnöthigerweise den inneren Zusammenhang zwischen dieser Notiz und dem Traktate Edojoth zerreißt (Geschichte, Bd. IV. ed. II. S. 32 ff. und Note 4, und ibid. S. 38 fs.). Doch ist der Grund dieses Schrittes leicht entdeckt. Zu viel Gewicht auf die Resultate Rapoport's in der gedachten Abhandlung legend, sicht er mit diesem in dem Ereigniß, auf das sich diese Notiz bezieht, und der Synode zwei geschichtliche Vorgänge, die ebenso ihrer Tendenz, als der Zeit nach ganz verschieden sind.