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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 1 · p. Seite 18

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 1
Article
Biographie Agrippa's II.
Date
1871-01-01
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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18 Biographie Agrippa's II. vor den Augen des Volkes zu weinen begannen. Das Volk, das schon ein Mal diesen falschen Th'ränen geglaubt hatte, war gutmüthig genug, sich durch diese Mimik täuschen zu lassen, und Agrippa, froh, so weit mit so leichter Mühe gekommen zu sein, rückte nun endlich frei mit seinen Wünschen heraus. Sie sollten, sagte er, noch so lange Florus gehorchen, bis der Kaiser ihn abberufen habe, und sein Nachfolger angekommen sei. Da aber brach die allgemeine Wuth aus, man beschimpfte den feigen Verräther und wollte ihn steinigen, und nur schleunige Flucht rettete ihn und seine Schwester vor dem Grimm des Volkes. So war es entschieden, Agrippa hatte sich aus der Schlinge gezogen, er stand jetzt consequent auf Seiten der Römer. Zwei Parteien standen einander jetzt in Palästina schroff gegenüber, die nationale Partei, entflammt für vollkommene Freiheit in jeder Beziehung, die namentlich aus den feurigen, begeisterten Jünglingen und den bis zur Tollkühnheit tapferen Zeloten bestand. Zu ihnen stand jetzt auch der größte Theil der Bevölkerung, die des langen schweren Druckes endlich müde war. Ihnen gegenüber befanden sich die an Zahl geringeren, aber an Macht sehr bedeutenden Vornehmen, die unter jeder Bedingung den jetzigen Zustand erhalten wollten, da der Krieg ihnen nur harte Verluste an Hab und Gut bringen konnte. Dieser Partei, diesen Verräthern, die die Römer zur Unterdrückung der Brüder herbeiriefen, trat auch Agrippa bei und sandte sofort dreitausend Mann unter der Führung seines Feldherrn Philipp zur Dämpfung des Aufstandes in die empörte Stadt. Die Zeloten bemächtigten sich des Tempels und des daran grenzenden Stadttheiles, während die Andern die obere Stadt besetzten. Aber die wuthentbrannten Krieger verbrannten die Paläste der Herodäer') und bedrängten das Heer der Vornehmen in dem Maaße, daß dasselbe das Heil in schneller Flucht suchen mußte. Dem Heerführer Agrippa's gelang es zu entkommen, aber als er in einem Dorfe in der Nähe von Gamala anlangte, erkrankte er schwer an einen! hitzigen Fieber. Um nun Agrippa von seinem Unfall zu benachrichtigen, fertigte er Boten an dessen Statthalter V a r u s (oder Noarus) ab, dem Agrippa bei seiner Abreise nach B e r y t u s ') Bell. jud. II, 17, 6.

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