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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 1 · p. Seite 17

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 1
Article
Biographie Agrippa's II.
Date
1871-01-01
Page
Seite 17 (sequence 5)
Language
German
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Biographie Agrippa's II. 17 die glänzende Verschwendung, der er fröhnte, den höchsten Interessen seiner Nation zu opfern. Um die augenblickliche Lage noch verfänglicher zu machen, hatten sich beide Parteien an ihn gewandt und ihn zum Vermittler bestimmt. Beide hatten seiner Eitelkeit geschnieichelt, beide ihm sicherlich große Versprechungen gemacht, wenn er so viel wie möglich zu ihren Gunsten erwirkte. So hing in diesem Moment das Wohl und Wehe des ganzen Volkes von. diesem Manne ab. Ihm allein war es noch möglich, den Sturm zu beschwören. Die Entscheidung drängte, lange Zeit zum Ueberlegen war nicht gegeben; und Agrippa entschloß sich schnell. Er stellte sein Ich in den Vordergrund, und dem gegenüber gab es keine Rücksicht mehr. Er wurde zum Verräther an den Seinen. Mit heuchlerischer Scheinheiligkeit redete er das versammelte Volk in Jerusalem au. Es ist das Muster einer Volksrede, das uns Josephus als von ihm gehalten mittheilt U: eine durchsichtige und klar durchgeführte Disposition, eine leicht verständliche und dennoch an feinen Finten und Seitenhieben überreiche Diction. Ein hellenischer Rhetor von Prosession hätte sie nicht besser ausarbeiten können. Er sagte mit subtiler Sophisterei: man könne die Sache des Kaisers und des Landpflegers unmöglich trennen; sie wollten einen neuen Landpfleger haben, das sei eben Empörung gegen den Kaiser. Einen andern Landpfleger begehren heiße Unabhängigkeit verlangen, und Unabhängigkeit sei unvereinbar mit der Unterwerfung unter des Kaisers Gebot. Er führte ihnen die klugen Athenienser, die tapseren Lacedämonier, die mächtigen Macedonier vor, die jetzt alle dem römischen Reiche unterworfen seien, als ob Florus' Grausamkeit durch einen solchen Trost hätte gemildert werden können. Sie, die Bewohner eines so kleinen Territoriums, brauchten sich also nicht zu schämen, wenn sie Rom unterlägen. Sie möchten daher nur die Steuern weiter zahlen, denn das sei allein des Kaisers Sache. Er trieb das theatralische Schauspiel so weit, daß er und seine buhlerische Schwester Berenice an seiner Seite ') Dell jud. II, 16, 4. Die Rede ist zwar sicherlich nicht niit denselben Worten wiedergegeben, in denen sie gehalten ist, jedenfalls aber wird Agrippa ganz in der Weise gesprochen haben. Frankel, Monatsschrift. XX. -. 2

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