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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 1 · p. Seite 16

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 1
Article
Biographie Agrippa's II.
Date
1871-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 Biographie Agrippa's II. die Empörung herbeiführen. Er ließ von feinen Schaaren die obere Stadt plündern, und dreitausend unbewaffnete Männer blieben auf dem Platze. Die Leiden dieses Tages müssen schrecklich gewesen sein, denn sogar Berenice zeigte Mitleid mit den armen Gemarterten. Sie befand sich gerade in Jerusalem, um Dankopfer für eine glücklich überstandene Krankheit zu bringen, und begab sich, als sie die Gräuelscenen sah, barfuß und in! Trauergewande zu dem Tyrannen. Doch auch sie entging kaum den Beschimpfungen der rohen Soldateska. Agrippa war bei allen diesen Dingen abwesend. Er hatte kurz vorher eine nothwendige Reise nach Alexandrien gehabt, d. h. er mußte dem Apostaten Tiberius Alexander?dazu. Glück wünschen, daß er soeben Statthalter von Aegypten geworden war. In der allgemeinen Angst sehnte sich das Volk nach ihm. Er sollte womöglich den Landpfleger zur Milde überreden, denn eine andere Hülfe war von ihm nicht zu erwarten, obgleich man wohl wußte, wie viel er vermochte. Florus hatte indessen über Alles an den Statthalter von Syrien, Cestius Gallns, berichtet, und dieser wollte selber nach Jerusalem kommen, schickte aber vorläufig den Neapolitanus voraus, der unserem Agrippa auf seiner Rückreise in Jamnia begegnete. Beide setzten gemeinschastlich ihren Weg fort, und Neapolitanus wurde es leicht, Agrippa seine Rolle einzustudiren. Unterwegs rrafen sie eine Gesandtschaft der Priester und vornehmsten Männer von Jerusalem, die Agrippa um Hülfe anflehten. Nun galt es also eine Entscheidung zu treffen. Es war unabwendbar, er mußte für die eine Seite offene Partei nehmen und die Zweideutigkeit mußte jetzt, da die Sachen so ernst lagen, für immer aufhören. Zugleich ist von vornherein ersichtlich, wie sich׳ ein Agrippa entscheiden mußte. Mit den Römern durfte er es offenbar nicht verderben, sonst war seine Herrschaft unwiederbringlich verloren. Nach dieser Seite hin stand also Alles auf dem Spiele. Bei den Juden hingegen war nichts zu gewinnen, denn ihre Sachen standen verzweifelt schlecht. Wenn er sich zu ihrer Partei bekannte, hatte er im allerbesten Falle einen rühmlichen Tod auf den! Felde der Ehre zu erwarten, und das nur um den Preis, daß er auf ein ruhiges, ganz dem Vergnügen geweihtes Leben verzichtete. Ein solcher Preis war ihm zu hoch, er war nicht mehr im Stande,

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