Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Biographie Agrippa's II.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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Biographie Agrippa's II. 15 Stadt gebühre oder nicht, und der Kaiser hatte, nachdem sich der Proceß drei Jahre lang (62—65) hingezogen hatte, endlich im Jahre 65 zu Gunsten der Letzteren entschieden. Daß die Erbitterung der Juden dadurch ungemein wuchs, ist klar. Trotzdem aber verhielten, sie sich noch ruhig. Erst als ein Grieche, dein die Plätze neben der Synagoge daselbst gehörten, sich so weit vergaß, an einem Sabbat, als die Juden zum Gebete versaminelt waren, vor der Thür des Gotteshauses auf einem irdenen Topf ein Vogelopfer darzubringen, wie es für die vom Aussatz geheilten im mosaischen Gesetz vorgeschrieben ist — er wollte damit an die alte Fabel erinnern, daß die Juden des Aussatzes wegen aus Aegypten vertrieben worden seien — erst dieser Hohn ließ es zu Thätlichkeiten kommen. Hinzugetreten war noch der Umstand, daß die angesehensten Männer der Stadt dem Landpfleger F l orus vorher acht Talente gegeben hatten, damit er die ganze Angelegenheit friedlich ordne. Aber dieser war, ohne etwas zu thun, nach Sebaste gegangen. Er wollte die Juden offenbar um jeden Preis zum Kriege reizen; denn nur durch die Revolution war er in Rom vor einer Anklage wegen Erpressungen und anderer Schändlichkeiten gesichert. Vergeblich war die Intervention des Jucundus, des Vertreters des Landpflegers. Es kam zu einem Handgemenge, in welchem die Juden den Kürzeren zogen. Da sie ärgere Beschimpfungen fürchteten, brachten sie jedenfalls das Theuerste, das sie besaßen, die Gesetzrollen nach einem benachbarten Flecken Narbata in Sicherheit, und die Angesehensten von ihnen begaben sich nach Sebaste, um Florus an die acht Talente zu erinnern. Aber der Unmensch ließ sie ohne Weiteres einkerkern. Vorwand war die Hinwegschaffung der Gesetzrollen. Das war ihm noch nicht genug. Er schickte nach Jerusalem den Befehl, ihm sofort im Aufträge des Kaisers siebzehn Talente zu schicken, und als man sich dort weigerte, brach er mit seinen Truppen zum Angriff bereit dahin auf. Vergebens strömte ihm das Volk, um Nachsicht und Frieden bittend, in Massen entgegen, vergebens betheuerten die Priester und angesehensten Männer, die er in Jerusalem nach dem königlichen Palast, seinem Standquartier, zur Rechtfertigung berufen hatte, daß das Volk durchaus friedlich gesinnt sei, vergebens flehten sie ihn an, es nicht zum Aeußersten zu treiben. — Florus wollte unter allen Umständen