Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Biographie Agrippa's II.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 Biographie Agrippa's II. Die andere Anfrage hat auf eine zweite Anordnung des R. E li es er, nach welcher man die ganze Festzeit unter ein und derselben Festhütte zubringen soll, Bezug. Agrippa fragte nämlich, wie er sich zu verhalten habe, der zwei Frauen besitze, die eine in S epphoris und die andere in Liberias, ob er nur dann das Gebot erfüllt habe, wenn er jeden Tag beide Festhütten besuche. R. Elieser erwiederte: Nein, denn היוצא מסוכה לסוכה בטל מצותה של ראשונה• Aus dieser Talmudstelle geht zugleich hervor, daß Nolde, der in seiner Geschlechtstafel des idumäischen Königshauses Agrippa II. das Epitheton äya/iog giebt, ihn mit demselben Rechte hätte noXvya!xog nennen können. — Die Zeit in der die letzten beiden Anfragen an R. Elieser ergingen, läßt sich nicht näher bestimmen, doch ist es wahrscheinlich, daß sie erst nach der Zerstörung des Tempels erfolgt sind. Auch Josephus erzählt einmal von einer Aenderung, die sich Agrippa bei einer religiösen Institution erlaubte. Die Leviten, die im Tempelchor mitwirkten, verlangten nämlich die Erlaubniß, gleich den Priestern linnene Gewänder tragen zu dürfen, und Agrippa gestattete es ihnen, obwohl es gegen den herkömmlichen Brauch verstieß. Ein Gleiches that er, als die Priester, die zu untergeordneten Handreichungen verwendet wurden, dieselbe Forderung stellten. Ein seinem Willen gefügiges Spnhedrion zur Sanctionirung seiner Anordnungen fand er leicht. Dieses Verfahren, mitten unter den politischen Wirren, ungefähr zwei Jahre vor dem Ausbruch der Revolution eingeschlageu, wirft ein Helles Licht auf Agrippa's ungemeine Leichtfertigkeit. Die sittliche Entrüstung, die Josephus bei dieser Gelegenheit zur Schau trägt, ist zwar in Anbetracht der Ungesetzlichkeit der Handlung am Platze, aber der Geschichtsschreiber hätte an andern Stellen e&eufo streng und wahr sein müssen, wie hier. Kommen wir nun zu der politischen Geschichte Judäas zurück und betrachten wir den Antheil, den Agrippa an dem nun ausbrechenden Entscheidungskampfe hatte. Die Ursachen des Krieges waren längst vorbereitet, und der Ausbruch war im Lauf der Zeit unvermeidlich geworden. Die nähere Veranlassung war eine geringe Kleinigkeit. In Cäsarea war ein Streit zwischen den Juden und Heiden ausgcbrochen darüber, ob den Juden das Bürgerrecht in dieser