Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die erste Meinungsverschiedenheit in der halachischen Gesetzgebung
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 8)
- Language
- German
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in der halachischm Gesetzgebung. 27 Verpflichtung, beim Opfer anwesend oder davon befreit zu fein, zur Consequenz hatte (דרבי משנה p. 44; Ozar Nechmad p. 33 fg.), so giebt dieses Motiv noch immer nicht eine ganz befriedigende Lösung. Man kann sich keine rechte Vorstellung davon machen, daß eine jedenfalls nicht tief eingreifende religiöse Frage die Häupter des Synhedrin mehrere Generationen hindurch, mehr denn anderthalb Jahrhunderte, getheilt haben soll. An diese Frage schließt sich eine andere, die noch keine Lösung gefunden hat. Aus welchem Grunde sind denn diese ganze Zeit hindurch bis nach Hillels Tode je zwei Häupter, ein Naßi und ein Ab-Bet-Din, an die Spitze des Synhedrion gestellt worden? Was bewog die Männer, welche diesen Körper constituirt haben, einen unnöthigen Dualismus zu schaffen? Oder muß man die Sache vom andern Ende anfassen? Weil der Dualismus bereits faktisch existirt hat, darum mußte der Fürst oder Machthaber oder sonst Jemand ihm gerecht werden und aus jeder Partei ein Haupt ernennen? Waren bereits vor der Constituirung oder Restauration des Spnhedrin zwei Schulen (אשכולוח) oder überhaupt eine Spaltung vorhanden? War die Paarung (nun) oder Vertretrmg durch je ein Haupt derselben nur die Anbahnung eines modus vivendi? Mit Gewißheit lasten sich alle diese Fragen keineswegs lösen. Die geschichtlichen Annalen schweigen über diese inneren Vorgänge. Josephus standen nicht viel mehr Quellen für diese Zeitgeschichte zu Gebote, als uns. Ja, man kann behaupten, daß wir an den talmudischen Relationen, so abrupt und fragmentarisch sie sich auch ausnehmen, mehr Quellen für die innere Geschichte besitzen, als der Geschichtsschreiber aus Jerusalem. An der Fasten-Rolle oder dem Verzeichniß der Gedenktage (מגילת תענית) und den Sprüchen der Väter (פרקי אמת), welche die innere Geschichte inr Lapidarstxle ausgeprägt hat, haben wir zwei Urkunden von großem Werthe. Freilich gehört dazu eine glückliche Divinationsgabe, diese sententiösen Sphinxe zu verstehen. So haben die Sprüche der Väter gehaltreiche Sentenzen von dem ersten Synhedrialpaare, so wie von ihren Vorgängern und Nachfolgern erhalten, die uns einigen Aufschluß für diese Fragen geben können. Jost b. Joeser's Sentenz oder Lebensmaxime war: ״Es sei dein Haus ein Versammlungs-