Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 Die Ebiomten des alten Testaments. Men oder ihr Herz jubeln zu lassen und dichteten dazu schmelzende Verse, die noch heute, nachempfunden werden können und das Gemüth erregen. Sie haben selbst uns überliefert, unter welchen Umständen der Geist des Liedes über sie gekommen ist. Errnüdet von des Tages Noth, im Gemüth verwundet von der unzarten Begegnung der besitzenden und gebietenden Klassen, wälzten sich die viel Geprüften einsam auf ihrem harten Lager und weinten ihren Schmerz aus. ״Ich bin ermattet von meinem Seufzen, ich schwemme jede Nacht mein Bett, mit meinen Thränen löse ich meine Lagerstätte auf. Verdunkelt ist vor Harm mein Auge, starr wegen all meiner Feinde" (Ps. 6, 7—8). ״Ich erinnerte mich mit meinem Liede in der Nacht, klagte in meinem Gemüthe und es grübelte mein Herz" (das. 77, 7). ״Als ich Dein gedachte auf meinem Lager, in den Nachtwachen über Dich sinnte" (63, 7). ״In den Nächten belehrte mich mein Inneres" (16, 7b.). Begeistert singt ein Psalmist: ״Erwache, o Harfe und Cither, ich will die Morgendämmerung aufwecken" (108, 3). Die Poesie war in einsamer Nacht die Trösterin dieser Enterbten, dieser sanstmüthigen Annen, dieser levitischen Ebioniten. Und welchen Balsam reichte ihnen die Muse für ihre Wunden? Jene innige, zarte, unaussprechliche Ergebung in Gott, welche zuerst die tiefe Religiosität, die Innerlichkeit der Gottesverehrung, welche keine Form der heidnischen Religionen, auch nicht die jetzt so sehr bewunderte arische kannte, und dieser zuerst im Judenthume erwachsene religiöse Idealismus hat die größten Wunder bewirkt. ״Wer ist mir im Himmel? Und mit Dir verlange ich nichts auf Erden. Nach Dir sehnt sich mein Fleisch und mein Herz, mein Hort und mein Theil ist Gott auf immer" (73, 25—26), das war die Sprache dieser Gottergebenen. Wer hat die Psalmen gedichtet? Der Stamm Levi, oder wenigstens der gesangkundige Theil desselben, die Korachiden oder die Ebioniten, die sanstmüthigen Armen. Es ist jetzt kein exegetisches Geheinmiß mehr, daß nur sehr wenige Psalmen dem König