Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 1 · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 1
Article
Die Ebioniten des alten Testaments
Date
1869-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829374-2829376-2843688--11751-2843731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Ebioniteir des altcit Testaments. 17 David angehören. Die dankbare Nachwelt hat diesem poetischen Könige ein Verdienst beigelegt, das sie den unglücklichen Urhebern entzogen hat. Unglücklich? Das waren die harmlosen Leidenden eigentlich nicht. Sie ließen sich nicht von Trauer und Schmerz übermannen, sondern lächelten unter Thränen in der lebhaften Vorstellung an Gott und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunst, die sie auch herbeiführen halfen. Was war die Haupt- Ursache ihrer ganzen Leidenslage? Der Besitz und die damit verbundene Macht. Die levitischen Ebioniten — so darf man sie wohl nennen — gewöhnten ihre Seele daran, mit vollster Verachtung auf den glänzenden und viel vermögenden Mammon zu blicken. ״Ja, nur im Schattenbilds wandelt der Mensch, nur vergeblich tummelt er sich, er häuft und weiß nicht, wer es einführen wird" (39, 7). ״Die da auf ihr Gut vertrauen und sich ihres großen Reichthums rühmen, ein Bruder mag den andern nicht auslösen, nicht das Sühnegeld dem Richter für ihn geben. Zu theuer dünkt sie ihre eigene Auslösung. . . Wird er doch ewig leben, das Grab nicht sehen. Er sieht zwar, daß selbst Weise sterben, gleich wie der Thor und der Dummkops und verlassen ihr Gut für Andere. . . Der Mensch bleibt nicht in seiner Ehre, er gleicht dem stummen Thiere. .. Fürchte nicht, wenn der Manu reich wird, wenn sich die Ehre seines Hauses mehrt; in seinem Tode wird er nicht Alles mitnehmen, sein Reichthum wird ihm nicht uachfahren" (Ps. 49). Dieser, in den zarten Duft der Poesie gehüllte Protest gegen den Mammon und die Macht war von großer, man könnte fast sagen, von weltgeschichtlicher Wirkung. Die Psalmen, welche einerseits eine tiefinnere Passionsgeschichte Einzelner ahnen lassen und darum so ergreifen, reflektiren zugleich ein Allgemeines, das Princip der Sittlichkeit und des Rechtsbewußtseins gegenüber der Gewalt, das Princip der Wahrheit und Offenheit gegenüber der Verlogenheit und Verstocktheit, das der Ewigkeit gegenüber der Vergänglichkeit. Keine Literatur hat auch nur etwas Analoges zu den Psalmen aufzu- Frarlel, MonatSMst. XVlll. 1. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.