Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Die Ebioniten des alten Testaments. eines derselben geübte Beleidigung zu rächen pflegten. Sie betrachteten einen Angriff auf Einen aus ihrer Sippe als Schmähung ihrer eigenen Ehre. Bei den Hebräern Wird es nicht anders gewesen sein. Auch der Aermste stand unter dem Schutze der Stammesehre, es wagte sich Niemand an ihn. Nicht so bei den Leviten. Da der ganze Stamm besitz- und machtlos war, so gab es für den beleidigten, beraubten, selbst verwundeten Einzelnen keine Annehmer. Das ist nun eine stehende Klage in der Literatur, die bald beleuchtet werden soll, daß der tief Geschmähte und Gekränkte keinen Annehmer findet (אין עמר, אין מציל). Es galt als das grauenvollste Unglück, in der Volksversammlung (שער), wo Recht gesprochen wurde, statt bei den richterlichen Men (זקגי ר,שער) Gehör zu finden für die laute Klage, nicht nur abgewiesen, sondern noch dazu gestoßen und schimpflich behandelt zu werden. ״Seine Söhne (des Frevlers) werden fern von Beistand sein, werden in den Volksversammlungen gedemüthigt werden und Niemand nimmt sich ihrer an" (Hiob 8, 4). Das Wehklagen, Seufzen, Stöhnen, Flehen dieser Armen oder Anawim bildet bekanntlich einen Refrain in den Psalmen und fehlt auch bei den Propheten nicht. ״Ob der Plünderung an den Armen (oder Sanstmüthigen), ob der Wehklage an den Ebionim erhebe ich mich," spricht Gott (Ps. 12, 6). ״O, die ihr gewaltthätige Gesetze erlasset und treulose Schriften schmieret, das Recht der Armen zu beugen und das Gebührende der Leidenden (oder Sanftmüthigen) meines Volkes zu rauben" (Jes. 10, 1—2). Der Prophet Amos donnert die ungerechten Richter an: ״Ich weiß, viel sind eure Sünden, zahlreich eure Verbrechen, die ihr den Gerechten anfeindet, Bestechung nehmet und das Recht der Ebionim in der Volksversammlung beuget" (Amos 5,12). Weil sie eben von aller Welt verlaffen, keinen Stammannehmer, keinen Patron hatten, durften sich die Gewissenlosen herausnehmen, sie zu beleidigen, zu berauben, zu kränken, zu schmähen. Daher wenn Jesaias einen Jdealkönig aus dem Stamme Jsai schildert,