Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Ebiomten des alten Testaments. 13 derte durch ihre Vermittelung trotz aller ungünstigsten Umstände fortgepflanzt hat, so konnten sie nicht so tief sinken. Sie machten gewissermaßen aus der Noth eine Tugend. Sie protestirteu fortwährend gegen den Reichthum, den Luxus, die Hartherzigkeit und den Hochmuth der Besitzer, wie gegen den Abfall von der Grundidee des Judenthums. ״Besser ist das Wenige für den Gerechten, als der Reichthum mächtiger Frevler" (Ps. 37, 15). ״Erhebe auf uns das Licht Deines Antlitzes, o Herr, dann würdest Du mehr Freude in mein Herz geben, als (ihnen) wenn ihr Getreide und Wein sich mehrt" (das. 4, 7—8). Da sie als Besitzlose nicht zum Kriege herangezogen wurden, und ihm abgewendet waren, so protestirten sie gegen das blutige Handwerk ebenfalls, besonders seitdem durch die Spannung zwischen den beiden Reichshälften Bürgerkriege häuflg waren und Stamm gegen Stamm, Bruder gegen Bruder das Schwert zückte. Der Gedanke des Friedens, der Friedfertigkeit, nicht als Bedingung für Ruhe und Gemächlichkeit, sondern als Tugend, als höchste Tugend, wurde im Kreise der Leviten erzeugt. Genügsamkeit, Demuth, Sanftmuth, Friedfertigkeit wurden ihnen vermöge ihrer Lebensstellung und ihrer Lage gewissermaßen zur Gewohnheit. Aus den Ebioniteu, den Armen (עניים אניונים) wurden Sanftmuthige (ענוים). Dieser aus der Geschichte herausgebildete Doppelsinn lebte sich in die hebräische Sprache ein, und die Schriftsteller konnten das eine Wort für das andere gebrauchen, ohne mißverstanden zu werden. Jedermann kannte sie, die Leviten, welche zugleich arm und sanft waren. Auch die Tugenden der Geduld, der Ergebung, des felsenfesten Gottvertrauens, des Märtyrerthums wurden unter ihnen und durch sie lebendig. Jeder Schwache und Anne aus den übrigen Stämmen war nie ganz hilflos. Er fand stets unter den Stammgenossen einen reichen und mächtigen Annehmer. Es ist bekannt, wie sehr die mit den Hebräern verwandten arabischen Stämme sich ihrer Familienglieder anzunehmen und die gegen