Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Moniten des alten Testaments. 11 men Friedliche«/ der ganze Stamm L e v i war, etwa mit Abzug der im Tempel fungirenden Priester, der Träger einer hohen Gesittung, einer reichen Cultur, der Erzeuger großer Gedanken und poetischer Schöpfungen, die Pflanzschnle der Propheten. — In extremer Reaktion gegen die egyptische und überhaupt Heidnische Priesterkaste, welche nächst der Königs- und Kriegerkaste die Reichthümer des Landes besaß, große Ländereien an sich gebracht hatte, sollten in der hebräischen Staatsverfafsung die Leviten und Priester nichts vom Landbesitz haben. Dieser Stamm war von Hause aus auf die Unterstützung der übrigen Stämme angewiesen. Die Leviten waren von vorne herein die Enterbten. Wäre das Staatsideal, wie es im Pentateuch vorgezeichnet ist, verwirklicht worden, so hätten die Leviten keine Noth gelitten; sie wären als Pfleger der Heiligthümer für ihren Verlust au Landbesitz entschädigt worden. Mein dieses Ideal ist eben so wenig wie viele andere im Verlaufe der Geschichte realisirt worden. Die starken und kriegerischen Stämme klammerten sich au den Besitz und ließen die Leviten leer aus gehen. Schon in der ersten Zeit nach der Eroberung und Vertheilung des Landes Kanaan mußte sich ein Levite, wahrscheinlich gar ein Enkel des großen Propheten und Führers Mose, um zehn Silberlinge das Jahr, um Kleidung und Nahrung als Priester bei einem Idole vermischen. Durch den traurigen Gang der Geschichte während der Richterzeit, als das Volk fortwährend mit den Nachbar-Völkern zu kämpfen und um sein Dasein zu ringen hatte, sind die Leviten, welche notorisch im ganzen Lande zerstreut waren, in eine traurige Lage gerathen. Wie es unter der Glanzregierung Davids und Salomo's mit ihnen gehalten wurde, ist geschichtlich nicht bekannt. Ein Theil von ihnen hat ohne Zweifel Beschäftigung und Subsistenz im ueuerbauten Tempel gefunden. Sie waren Pförtner oder Tempelwächter, Handlanger bei den Opferverrichtenden Priestern oder Sänger und Saitenspieler. Durch die Spaltung des Reiches in zwei ungleiche Hälften, wurde das