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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 1
Article
Die Ebioniten des alten Testaments
Date
1869-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Die Ebioniten des alten Testaments. So groß, lichtvoll undaußerordentlich uns auch die hebräischen Propheten erscheinen, und so sehr sie auch über das Niveau ihres Volkes hervorragen, so waren sie doch nicht ihrer Umgebung ganz und gar entrückt, lebten doch nicht in einer unnahbaren Sphäre, in einer ätherischen Welt. Jesaias klagt vielmehr: ״Ich sitze in der Mitte eines Volkes mit unreinen Lippen." Wie kam es, daß sie sich von den verderblichen Einflüßen ihres Mediums frei gehalten haben? Auf welche Weise ist'ihre Erziehung und ihre Ausbildung zu denken? Haben sie diese lichte Höhe ohne Zwischenstufen erklommen? Hatten sie kein anderes Beispiel vor Augen als die schwelgerischen Könige, die entarteten Fürsten, die egoistischen Priester, die rafftnirten oder stumpfen Volksklassen? Hat es keine Klasse gegeben, die mit ihnen seelenverwandt war, an deren Beispiel sie sich herangebildet, deren Lehren sie eingesogen haben? Wir sind keineswegs genöthigt, für das Wachsthum und die Ausbildung - der Propheten zu einem Wunder zu greifen und sie dem Mes beherrschenden Gesetze von Ursache und Wirkung oder dem Gesetze psychischer Attraktion zu entheben. Die Propheten waren tiefbeaulagte Naturen, aber doch Menschen, unterliegend allen Bedingungen der menschlichen Entwickelung. So lange die Lösung dieses sich selbst aufdrängenden Räthsels nicht gefunden ist, kann man nicht behaupten, die bedeutendste Phase in den biblischen Geschichtsevolutionen oder die tiefer liegenden Vorgänge im altjudäischen Volksleben begriffen zu haben. Ohne diese Lösung bleibt auch manche Erscheinung in der alttestamentlichen Exegese räthselhast, dunkel, vage. Der Schlüffel zu dieser, so zu sagen, historischen und exegetischen Hieroglyphe ist aber bis jetzt noch nicht gefunden, vielleicht noch nicht mit Eifer gesucht worden. Auch hier, wie auf allen Gebieten des Wissens dürste indeß die scharf präcisirte und formnlirte Frage die Lösung um Vieles erleichtern. Hat es im hebräischen Volksorganismus eine Volksklasse, einen Kreis gegeben, der Träger einer höheren Cultur, einer einflußreichen Gesittung gewesen, der sich von dem

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