Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 1 · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 1
Article
Die Commentarien des Ephraem Syrus im Verhältnis zur jüdischen Exegese
Date
1868-01-01
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829360-2829362-2843617--11051-2843654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zur jüdischen Exegese. 17 sie — vielleicht oft ohne sich des jüdischen Ursprunges derselben bewusst zu sein — weiter überlieferten: So schildert denn Ephraem Syrus (gest. 378 als Diakonus von Edessa) die Wunderkraft des Manna mit denselben Farben wie die Talmudisten*), und die lawinenartig anwachsende Jesaiassage dringt in den christlichen und selbst muslimischen Kreis ein2). Allein nicht blos in dem Aufnehmen eines fertigen Productes, auch in der Anwendung gewisser Interpretationsregeln (z. B. des Notarikon3) zeigt sich der Einfluss der jüdischen Exegese auf die Kirchenväter. Diese Interpretationsmethode konnte um so leichter in christliche Kreise Eingang finden, da sie einen bequemen Anhaltspunkt zu jeder noch so kühnen exegetischen Spielerei darbot. Auf diese Weise deutet z. B. Irenaeus die Anfangsbuchstaben des Wortes Jesus (ישו) Herr, Himmel, Erde4), und Augustinus zerlegt das Wort Adam (,Adafi) in die Anfangsbuchstaben der Wörter uvaxolr\, dv61g, agitrog und lLS6r}11ßQLa, wodurch er zu dem mit der jüdischen Erklärung zusammentreffenden Resultate gelangt, dass der erste Mensch aus der Materie aller Himmelsgegenden geschaffen worden sei5). Erwägt man also den Umstand, dass die christliche Exegese des A. T. überhaupt eine Tochter der jüdischen Schriftauslegung ist, so wird es nicht befremden, auch bei Ephraem eine gewisse Verwandtschaft mit dem Midrasch wahrzunehmen, deren Tragweite iin Einzelnen nachzuweisen ein wichtiges Moment für die Geschichte der Exegese bilden muss. Es konnte jedoch nicht fehlen, dass durch den Einfluss dieses midraschischen Elementes die Bestrebungen der Kirchenväter von der eigentlich wissenschaftlichen Erforschung der Bibel abgelenkt wurden, und das um so mehr, da in der christlichen Exegese sich frühzeitig der *) Opp. ed. Bened. I, 218 C: )40ן(&; יוכ3| \ב0כ0*״ jooj י$03י כצבצץך jicbj -.ojcfca cf. 256 D. 2) Gesenius Jesajas 11 S. 12 ff. 3) Notarikon findet sich schon in der Mischnah Sabbath 104b, in späteren talmudiscken Schriften Öfter, ibid. 55b, 105a, cf. Sifri 1 c. 4) S. Rosenmueller hist, interpr. in eccl. Christ. II p. 192 n. 9. 5) S.Frankel, Vorstudien zurSeptuag. S. 185 und Tanchuma Pekuda: .נטלו מארבע רוחות העולם וכו' Frankel Monatsschrift. XVII. 1. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.