Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 1
Article
Aphorismen
Date
1868-01-01
Page
Seite 14 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829360-2829362-2843615--11046-2843651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 Aphorismen. land sich in naher Zukunft vollführen wird. Wo der Staat sich von der Kirche emancipirt hat, ist diese Gleich- Stellung eine in sich berechtigte, durch kein irgend erdenkbares Argument abzuweisende Forderung; und es muss auch die Kirche in ihrem eigenen Interesse die Un terdrückung der Juden zurückweisen, da, wie die Erfahrungen der Jahrhunderte lehren, jeder ungerechte Akt gegen den Juden nur zur Glorification des Judenthums beiträgt. — Aber ob seineLehre, deren Quellen auch noch so gelehrten nichtjüdischen Forschern unzugänglich sind, nicht dem Staate Schädliches enthalten? Es hat diese Frage eigentliche Staatsmänner nie beunruhigt; die Juden haben sich stets als friedliche Bürger erwiesen und die neuere Zeit berichtet, dass sie ihre Anhänglichkeit an das Vaterland mit ihrem Blute auf verschiedenen Schlachtfeldern besiegelten. — Richten wir nun das Auge auf das Wesentliche dieser Lehre. Schon dass sie ihren Vertretern weder weltliche noch geistliche Macht einräumt, ist wie ein beredter Zeuge ihrer Anspruchslosigkeit so auch eine Bürgschaft, dass sie ihrem Wesen nach nicht eine Pflanzsiätte des Hasses und der Abstossung sei: ist es doch nur die priesterliche Macht und die durch sie hervorgerufene Heb erheb ung, die zur Unduldsamkeit führten und das im Munde getragene Bekenntniss der Liebe in Verfolgung Andersglaubender umprägten. — Diese Lehre beanspracht ferner nicht das Monopol des Himmels, sie will nicht, dass der Weg zur Seligkeit nur durch ihre Pforten gehe: ״die Frommen aller Völker haben Theil an dernjenseitigen Leben" ist ihr Spruch (Talmud Synhedrin 105), sie anerkennt die Göttlichkeit des Menschen, zu weicher Confession er gehöre. — Sie will sich ferner Niemandem weder durch Gewalt noch durch Ueberredung aufdrängen, sie sucht ihren Halt in der Ueberzeugung ihrer Bekenner und nicht in der Ausbreitung ihres ‘Reiches, Proselytenmach er ei liegt ihr ferne. ״Wer in das Judenthum eintreten will, lehrt sie, dem muss vorgestellt werden, dass das Judenthum schwere Verpflichtungen auflege, dass mit ihm vielfache Entbehrungen und herbe Erfahrungen sich verbinden; und nur wer dann noch auf der Aufnahme

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.