Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aphorismen
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 7)
- Language
- German
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Aphorismen. 9 Der Rumäne ist, wie glaubwürdig berichtet wird, vollständig verkommen: der Serbe stehet wohl auch auf einer sehr niederen Stufe der (Zivilisation und es liegt sein Eintritt in die Reihe der gebildeten Völker um so mehr in weiter Ferne, als der ihn kennzeichnende tückische Charakter einen Seelenadel, diese Grundbedingung wahrer Bildung, nicht aufkommen lässt*, doch ist ihm eine gewisse Frische nicht abzusprechen, er behauptete eingeschlossen in seinen Bergen lange seine Unabhängigkeit und es reichen noch Erinnerungen an ihn heran, die ihn mit stolzem Nationalgefühle erfüllen. Der Rumäne gehört zu den abgelebten Völkern, noch hat er in der Staatengeschichte ein Denkmal sich nicht gesetzt und schon hat er sich überlebt, ist ein stumpfsinniger, kraftloser Greis: von der einen Seite Bojaren, die des Landes Mark aussaugen, um es in zügellosem Luxus zu vergeuden, von der anderen in den tiefsten physischen und moralischen Sumpf versunkene Leibeigene, so zeigte es Rumänien bis auf die jüngste Zeit; welcher Sinn für Freiheit ist in einem solchen Volke zu suchen? Doch die Bratiano und Genossen, verzehrt von brennender Begier nach hohen Stellen, wissen die unteren Schichten für Freiheit, wie sie vom grossen Haufen verstanden, zu entflammen, sie versprechen ihnen den Besitz der Wohlhabenden und gewinnen die Gunst des Pöbels, der in ihnen wahrhafte Volksfreunde erblickt; und gegen wen wird zuerst aufgewiegelt? Gegen die Juden! Der Name Bratiano ist zu geringwiegend, als dass die Geschichte ihn brandmarken sollte; sie wird nur mit Bedauern erzählen, dass unter der Regierung eines deutschen Fürstensohnes ein rumänischer Minister durch Gesetz die Volksleidenschäften gegen die Juden aufstachelte, ein Prinz aus dem Hoh en zoll er n'sehen Hause trotz der wohlwollendsten Ab• sichten solchem mensehen- und regierungsschänderisehen Treiben nicht Einhalt zu thun vermochte und vergebens bei diesem verkommenen Volke einen Anhalt für seine wohlwollenden Absichten suchte. Einen Lichtpunkt bietet das nun vollendete Jahr in dieser grausen Finsterniss. Der hochbejahrte, fast an der äussersten Grenze des men sch-