Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aphorismen
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829360-2829362-2843615--11042-2843647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 Aphorismen. liehen Lebens stehende Monfcefiore begab sich nach Rumänien, um das traurige Schicksal seiner Glaubensgenossen zu lindern; doch auch an diesen Lichtstrahl knüpft sich nicht das ״es werde Licht“: was vermögen die Bestrebungen eines Edlen gegen den cocytischen Sumpf niederer Leidenschaften? — Es darf ohne prophetischen Blick die Zeit als nicht fern bezeichnet werden, in weleher Rumäniens nebelhafte Nationalität sich in Nichts auflösen wird: und der Jude hat doch so viele ihn verfolgen de Völker überlebt! ״Die Juden sollen erhalten werden, um Zeugniss für die Kirche abzulegen“, dieses war der Wahlspruch der Päpste: sie sollen nicht ganz vernichtet werden, um durch das auf sie gehäufte Elend für die Wahrheit der Kirche zu zeugen, an der sie sich schwer versündigt. Wirft man einen Blick auf die Vorgänge der neueren Zeit und zumeist auf die des letzten Jahres, so drängt sich der Gedanke auf, die Kirche legt Zeugniss für die Wahrheit des Judenthums ab. Dass die Juden durch Flammen und reissende Ströme gehen mussten, dass über sie verhängt wurde, was Menschen gegen Menschen an Grausamkeit und Härte, an Zurücksetzung und Verachtung, an Ausstossung und Lieblosigkeit je zu ersinnen vermochten, es war das Werk der Vertreter der Kirche, die je strenger ihr kirchlicher Sinn, desto feindseliger ihre Gesinnung gegen die Juden, Die Behauptung, ״das Christenthum sei Grundlage der Veredelung und des Fort- Schritts der menschlichen Gesellschaft“, ist, wenn wie mit Recht die Vertreter einer Religion als deren Ausdruck zu betrachten sind, vielfach anzufechten. Sagt doch die Geschichte, dass die Veredelung und der Fortschritt der neueren Gesellschaft erst seit dem Wiedererwachen der Wissenschaften datiren; spricht doch laut das ganze Mittelalter, in welchem die Kirche herrschte und es ausschliesslich beherrschte, dass sie zur Milderung der Rohheit und zur Vermenschlichung ihrer Anhänger wenig beigetragen, durch sie die Menschheit keine Fortschritte zur Selbst-