Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / -p-
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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f’ 1 Recensionen und Anzeigen. 37's ben vorhanden ist, es־ zu begreifen. — Und nicht .blos die Unbefangenheit des Urtheils vermissen wir in diesem Buche; wir vermissen, was noch wichtiger ist, in dieser Charakteristik der polnischen Juden dasjenige, was dieselben eigentlich charakterisirt. Wer uns über die Cultur eines Volkes unterrichten will, der wird seinen Zweck nur dann erreichen, wenn er die charakteristischen Merkmale hervorhebt, durch die es sich von andern Völkern unterscheidet. Wissenschaft ist ja im Grossen und Ganzen nichts Anderes als die Auffindung und Darstellung der die Gegenstände von einander unterscheidenden Merkmale. Wenn Jemand eine grössere Reise unternimmt und bei der Rückkunft erzählt, er habe Bäume, Städte und Dörfer gesehen, so hat er damit noch keine Reisebeschreibung geliefert. Wir suchen das Unterscheidende. Und gerade das Charakteristische und Eigenthümliche des polnischen Juden hat Herr H. nur flüchtig und obenhin gezeichnet. Herr H. hat lange Zeit unter polnischen Juden gelebt; aber es ist eine bewährte Wahrnehmung, dass den meisten Menschen, selbst wenn sie in ausserordentlichen und merkwürdigen Verhältnissen sich befinden, das Abnorme und Ungewöhnliche derselben gar nicht zum Bewusstsein kommt; nur der kräftige und tüchtige Geist vermag die Verhältnisse, in denen er lebt, und die auf ihn wirken, scharf zu beobachten und so die Motive zu erkennen, durch welche diese Zustände sich gerade so und nicht anders gestaltet haben. HerrH. nun bekundet diese Gabe, scharf zu beobachten, nicht in dem erforderlichen Masse. Einzelne Züge des jüdisch-polnischen Lebens vermag er geschickt darzustellen; aber die Kräfte, welche den jüdisch - polnischen Typus so eigentümlich gestaltet haben, zeigt er uns nicht. Wir erfahren in diesem Buche sehr wenig vom Chassidismus, welcher doch bekanntlich den religiösen und socialen Zuständen der polnischen Juden das Gepräge gibt, und auch von jenen frivolen Nihilisten, welche, als verspätete Nachzügler der französischen Encyclopädisten, jetzt fast alle slavisehen Lande unsicher machen und auch das Judenthum und seine Religion heimgesucht haben, weiss er uns nichts zu erzählen. Und doch sind gerade der Chassidimus und diese geistreiche Blasirtheit, welche alles Strahlende in unserer Religion und in unserer Geschichte zu verdunkeln und alles Hohe und Erhabeneiin Judenthume in den Staub hinabzuziehen bemüht ist, und