Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / -p-
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Rezensionen und Anzeigen. v 1 י welchem Recht könnte ein Buch auf dem Lesetische einer modernen ״gebildeten“ Dame in prächtiger Ausstattung prangen, wenn in ihm der Talmud nach Verdienst anerkannt würde? Die ״Bildung“, die Mode heischt es, auf den Talmud geringschätzig herabzusehen•, wer es nicht thut, kommt in den Geruch orthodoxer Gesinnung, und das, denkt Herr H., ist das Schlimmste, was einem ״gebildeten Manne“ passiren kann. Führen wir noch ein Beispiel an, um darzuthun, dass der Verfasser, weil er durch die trübe Brille herrschender Vorurtheile die Verhältnisse ansieht, nicht selten unklare und unrichtige Ansichten vorträgt. In der Novelle ״deutele“ schildert er in recht ergötzlicher Weise den Contrast zwischen einer rohen, nur durch glückliche Speculationen emporgekommenen Familie und einer Familie von ״Jachsunim“. Aber je vortrefflicher dem Verfasser einzelne Züge seines Genrebildes gelungen sind, um so mehr bedauern wir, dass er das ״Jichus“ nicht nach Recht und Gebühr gewürdigt hat. Auch im jüdischen Volksleben hatte sich ein Adel ausgebildet. Aber nicht Reichthum, nicht Einfluss bei den Machtigen, nur Gelehrsamkeit adelte in den Augen des jüdischen Mannes. Selbst der Reiche, selbst der Einflussreiche musste sich mit dem Gelehrten verschwägern, wollte er von seinen Glaubensgenossen zu den Vornehmen gezählt werden; es war die Aristokratie des Geistes allein, welcher das alte Judenthum Berechtigung zuerkannte. Herr H. ist nicht unempfänglich für das Grosse und Schöne eines solchen Adels. Er schildert ihn uns in einer Familie voll Anstands und Würde, voll frommen Sinnes und echter Noblesse; aber plötzlich lesen wir, wie diese scheinbar so edlen und wackern Menschen ihren Adel in der unwürdigsten Weise verschachern und ihn als ein Capital betrachten, mit dem man die Kinder am besten und billigsten versorgen könne. Es lässt sich nun nicht leugnen, dass mit dem Jichus häufig Missbrauch getrieben wird, dass die ״Jachsunim“ oft nicht warten, bis sie von den Reichen aufgesucht werden, sondern sich diesen selbst antragen; aber Herr H. erweckt die Meinung, dass selbst die edelsten der jüdischen Familien diesem unsittlichen Schachern mit dem Jichus sich hingegeben haben, und das ist eine unwahre und unwürdige Vorstellung, die nur in jenen Kreisen heimisch ist, in welchen man alles Altjüdische bespöttelt, weil weder die Fähigkeit, noch das Stre-