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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 1 · p. Seite 18

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 1
Article
Die jüdische Religionsphilosophie über die Anthropomorphismen der Bibel
Date
1867-01-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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Die jüdische Religionsphilosophie 18 V in als von einer tabula rasa aus gegangen, sondern haben, immer an die ererbten rahaadischea Anschauungen an geknüpft oder auf denselben gar weiter gebaut. Nun in welcher Weise die taimudischen Lehrer zu den Anthropomorphismen der Bibel sich verhalten, ist durchaus nicht schwer herauszufinden. Wohl hat der Talmud in seinem hagadischen Th eile nicht wenige Stellen, die so äusserst stark anthropomorphistisch ausgeprägt sind, dass es scheinen könnte, die taimudischen Autoren hätten sich Gott nicht anders als —! einen göttlichen Menschen gedacht, mit menschlicher Gestalt, wie mit menschlichen Zuständen und Affecten, der bald von tiefer Trauer und bald von hoher Freude erfasst wird, bald schmerzlich weint und bald fröhlich lacht, bald seinem Gerichts- I hofe präsidirt und bald sogar Phylakterien anlegt und betet. } Und nach solchen Stellen zu schliessen, müsste wohl der Talmud die ganze Reihe anthropomorphistischer Ausdrücke in der Schrift, ohne irgendwie ein Anstössiges daran zu finden, in ihrer buchstäblichen Wörtlichkeit gefasst haben. Allein was diesen hagadischen Theil des Talmuds betrifft, so herrscht darüber, bei Allem, was seit Krochmal7) die wissenschaftliche Kritik in diesem Gebiete erforscht und beleuchtet hat, doch ein noch immer wenig gelichtetes Dunkel. Auch kennt man den herben Tadel, ja sogar das volle Verdammungsurtheil, 'ן welches talmudische Autoren selber hier und da über die Ha- \ gada aussprechen8). Andererseits könnten wir selbst auf diesem (,steinigen Felde der Hagada eine ziemlich reiche Blumenlese / wahrhaft schöner Stellen Zusammentragen, welche, auf der Höhe ' eines geläutern Gottesbegriffes sich bewegend, jeder Vermensch- Hebung Gottes entschieden entgegentreten. Bekannt ist auch, mit welcher Aengstlichkeit die alten Bibelübersetzungen alle Anthropomorphismen zu umschreiben oder zu vergeistigen bemüht sind. Nun aber wird von dem Targum Onk610s, das sich hierin vorzüglich auszeichnet, ja das in den überaus feinen Wendungen bei den derartigen Umj 7) More Nebuche ha-Seman cap. 14. 1 8) Vergl. Krochmal a. a. 0., wo alle diese die Hagada betreffenj den Aussprüche zusammengestellt sind. I

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