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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Bibelkritik in Frankreich
Date
1866-01-01
Page
Seite 35 (sequence 4)
Language
German
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Analekten. 35 ׳/ Lächerlichkeiten wurden durch das sinnlose Eingreifen des Staates in rein wissenschaftliche Fragen herbeigeführt! Als Fourmont die von Dom Calinent ungerecht angegriffenen Rabbiner vertheidigte, intervenirten Ludwig XIV. und der Cardinal Noailles, und legten Fourmont Schweigen auf: LudwigXIV. der sich sagen 11688, dass ein König von Israel, ,Nyeticorax“ geheissen habe, und der Cardinal Noailles, der sicherlich kein Wort Hebräisch verstand! Der Jesuit Hardouin und der Bischof Hu etius bereicherten die Bibel, der eine mit seinen einfältigen und paradoxen Chimären, der andere mit desUrtheils /und sogar der Aufrichtigkeit haaren Gelehrsamkeit. Die er- ^h ärmliche Methode eines Marclef und Houbigant verdarb sogar die Grammatik, und machte jedes ernste Studium des hebräischen Textes unmöglich. Die grosse exegetische Autorität dieser Epoche ist Dom Calment. Schwerlich begegnet man mehr Knabenhaftigkeit bei einem Gelehrten. Seine Leichtglaubigkeit überschreitet alle Schranken. Er schrieb Dissertationen über Dämone, Vampyre, Gespenster, fliegende Drachen u. 8. w., hingegen wusste er durchaus nicht, was er wissen sollte; es ging ihm jede Kenntniss der orientalischen Sprachen und der Rabbiner ab.*) Richard Simon hinterliess nicht einen einzigen Schüler, Dom Calment hatte einen: Voltaire. Voltaire schöpfte seine ganze Gelehrsamkeit aus Calinent, unter dessen Portrait er ein vier- /eiliges Gedicht schrieb. Voltaire ist nicht eigentlich Gelehrter und Kritiker, er ist ein Kriegsmann, Alles wird in seiner Hand zur Waffe. Aber mit Polemik stellt man weder eine griindliehe Wissenschaft, noch eine grosse Kunst her. Die Polemik ist gut und nothwendig, wenn die Religion intolerant ist und der Wissenschaft ein Hinderniss entgegenstellt, an sich selbst hat sie keinen eigentlichen Werth, denn was sie verfolgt, ist nicht die Wahrheit, sondern der Sieg; wenn man aber um jeden Preis siegen will, so kümmert man sich nicht viel um den Werth der Argumente. Ueberdies sind die hebräischen Studien Studien *} Renan übergeht Johann Morinus, vielleicht absichtlich, da seine Kritik tendenziös ist und ihr die Grundbedingung der Wissenschaft abgeht. D. R. 1

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