Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
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6 1)16 religiö^eT)llIB.ung^~ stolz ausschliessenden Charakter nicht verleugnet. Daher seine Empfänglichkeit für fanatischen. Andersglaubende verfolgenden Religionseifer. Kaum waren die Arianer verdrängt, und es wurde zu den härtesten Nassregeln gegen die Juden geschritten; die mehrfachen Concilien zu Toledo untersagten den Juden die Ausübung ihrer Glaubensvorschriften und drängten sie gewaltsam zur Taufe. Der dumpfbrütende Geist der Westgothen erblickte in dem stillen Widerspruche der von der seimgen abweichenden Religionsanschauung eine Verletzung. Der Fanatismus des Spaniers ist ganz der Ausfluss seines Charakters. Wo ein kalter vornehmer Stolz das vorherrschende, sogar gegen innen trennende Nationalgefühl bildet, hält er, wo er sich verletzt wähnt, jedes Gefühl des Rechts und der Menschlichkeit nieder. Spanien hat geschichtlich den Reigen gewaltmässiger Glaubensunterdrückung eröffnet, und mit Austreibung der Juden geendigt. Vergebens wird hierfür in dem Einflüsse des Klima'8 eine Auskunft gesucht: unter dem Himmel Spaniens hatten sich durch mehrere Jahrhunderte maurische Reiche gebildet, und hier blühten, durch weise Duldung begünstigt, Wissenschaften und Künste; auch das Judenthum zählte hier seine schönsten Tage. Der spanische Fanatismus ist bedingt in dem westgothischen Charakter, dessen scharfe Ausprägung auch die Hoffnung, dass er durch den Fortschritt der Zeit der Humanität und religiösen Duldung zugänglich werde, in weite Ferne verweist. Spanien ist noch heute wie ehedem Andersglaubenden unzugänglich, und kaum konnte die englische Gesandtschaft in den letzten Decennien die Einräumung eines protestantischen Kirchhofes erlangen. Der Jude vollends darf als solcher nicht hervortreten und kann, wie dem Unterzeichneten von glaubwürdigen, Spanien bereisenden Juden versichert wurde, nur im verborgensten Winkel des Hauses seiner gottesdienstlichen Andacht obliegen. Es wurde zwar im vorigen Jahre berichtet, es sei der israelitische Vorbeter zu Bordeaux nach Madrid zur Beschneidung zweier mehrjährigen jüdischen Knaben berufen worden, aber es ruht über diesem Vor-