Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829334-2843487--09642-2843505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nach der europäischen Völkertafel. ג• gegensteilen. Wir wollen an der Hand der Geschichte und der Erfahrungen der Gegenwart auf diese Hindernisse, so weit wir ihnen bei den Völkern Europa’s begegnen. einen prüfenden Blick werfen. Ihre traurige Illustration erhalten sie zumeist den Juden gegenüber: wir werden uns daher, wie es auch dem Plaue dieser Zeitschrift gemäss, auf die Erfahrungen der Juden auf diesem Gebiete beschränken. Wenn das durch Constäntin zur Staatsreligion erhobene Christenthum sich rühmt, zur Gesittung der nicht lange hierauf das römische Reich überschwemmenden Völker׳■ schwärme beigetrage 11 zu haben, so kann es nicht in Abrede stellen; dass diese Anerkennung den Beginn der eigentlichen Leiden der Juden bezeichnet. Die in den römischen Rechtsbüchern aus jener Zeit erhaltenen Ge׳ setze machen jedes geschichtliche Zeugniss überflüssig. Dieser nachtheilige Einfluss tritt aber auch bei den ״zur Gesittung heran gezogenen Völkern" bemerkbar hervor. Mit der Annahme des Christenthums erwacht bei ihnen Hass gegen den Juden und die Sucht ihn zu verfolgen. Aber welchen empfänglichen Boden fand die durch die Religion wachgerufene Exclusivität in den die versehiedenen Völker charakterisirenclen Anlagen und Neigungen? Hier ist das Feld zu einer interessanten psychologischen Studie des Fanatismus geöffnet. Der religiöse Fanatismus ist ein von aussen in das Gemüt-h Hinein gebrachte» während der nach Stammverhältniss sich auf bauende Nationalstolz ein natürliches, von innen heraus sich ent•־ wickelndes Gefühl ist, wandelt die religiöse Regung sieh erst durch Wort und Lehre von aussen in Fanatismus 11m. Aber wie diese Einwirkung nach dem Grade der Bildung verschieden, so wird sich auch ihre Verschiedenheit nach dem Volkscharakter manifestiren, nach der Empfänglichkeit, die ihr in diesem entgegenkommt. Und so nehmen wir es wahr beim Einblick in die frühere Zeit bis auf unsere Tage. Beginnen wir mit dem südwestlichen Ende unseres Welttheils. Spanien hat, seitdem es der Sitz der Westgothen wurde, seinen von innen gährenden, nach *nisscn