Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829334-2843487--09641-2843504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 Die religiöse Duldung keit zum hellenischen Stamme machte dem Griechen den Menschen; wer ausser demselben stand war ein Fremder, konnte nicht mit ihm zusammenschmelzen, nicht durch noch so langjährigen Aufenthalt des Rechts und der Rechte des geborenen Hellenen theilhaftig werden: er blieb für immer ein Geduldeter. Durch das Zusammenrücken der Völker fiel diese Scheidewand, aber es wurde nun eine andere, noch schwerer zu übersteigende aufgeführt. War es früher ein eitler hochmüthiger Nationalgedanke, der, im tiefsten Frieden nebeneinander lebende Menschen trennte, so wurde nun dem Himmel eine unselige Zwietrachtsflamme entlehnt, wurden Menschen von Menschen in noch herberer Weise im Namen der Religion getrennt-, sie theilte dem früher friedlich Geduldeten für den Frieden der Duldung unversöhnlichen Hass zu. Nur spärlich sprechen die Blätter der Geschichte von Duldung, seitdem im Namen der Religion Unduldsamkeit gelehrt wurde. Der dem Volksstamme nicht Angehörende war der alten Zeit ein Fremder, und wenn aufgenommen, ein Geduldeter; der ausser dem Christenthum Stehende v ,v«־ in aon Jahrhunderten seit dessen Anerkennung als!am; allen Umständen ein Feind, dem selbst als An.geta>mnn;:-n:n die gegen ihn gehegte tödtliche Feindschaft nicht verheimlicht wurde. Nur schwach milderte die Wissenschaft in ihrem Wieder erwachen diese von Fürsten und Völkern als eine gottgefällige getheilte Anschauung; doch es zog mit ihrer allmäligen Erstarkung und Kräftigung Humanität ein, die Wissenschaft brachte im Gegensätze zu der missverstandenen Religion diesen wahrhaften Gottesfunken vom Himmel auf die Erde herab. Unsere Zeit ist durch die, ihre erwärmenden Strahlen nach allen Richtungen verbreitende Humanität zu der Erkenntniss gelangt, dass, wie nicht Stammverschiedenheit so auch nicht Religionsverschiedenheit zum Fremden und Geduldeten macht. Aber diese Erkenntniss ist noch nicht allgemein verbreitet, noch hat sie Hindernisse zu besiegen, die sich ihr zum Theil aus dem Umstande, dass die Bildüng noch nicht Gemeingut aller Völker geworden, theils aus der manchem Volke innewohnenden Zähigkeit ent-