Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
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18 Beiträge zur hebräischen Spracliforschung Jigen Schriftthums, welches noch fast eben so dunkel ist, wie vor einem halben Jahrhundert. Diese seltsame, von dem allgemeinen Fortschritt der Sprach- Wissenschaft in unserem Säculum grell abstechende Erscheinung erklärt sich unseres Erachtens aus den zwei einander entgegengesetzten und ausschliessenden Richtungen, die das Gebiet der Bibelexegese occupiren.. Es sind dies die dogmatisch-symbolische und die kritisch-historische Richtung. Die dogmatische Richtung, die den symbolischen Lehrbegriff zum wichtigen Factor der Interpretation macht, empfindet die Nothwendigkeit einer wissenschaftlichen Vertiefung in den sprachschaffenden Geist des biblischen Altei'thums um so weniger, je mehr es ihr zur Gewohnheit geworden, die heilige Schrift mit gläubigem Sinne, oder mit pietistischen Augen, anzustarren, und ihren Gedankeninhalt, auch den momentan unverständlichen Theil desselben, für vollkommen verständlich hinzunehmen. Schwierige Wortformen, Satzfügungen und Gedankenwendungeil der heiligen Schrift sind für diese Richtung absolut nicht vorhanden; denn wo dem Literalsinn das Fahrwasser ausgeht, da bedient sie sich ohne Bedenken des Luftschilies der Symbolik, das dem gewöhnlichen Luftschiffe insofern ähnlich ist, als sich dasselbe jeder planmässigen Steuerung entzieht, und das Ankern nur selten gelingen lässt. In den meisten Fällen trägt dieses Luftschiff den kühnen Segler zu jenen schwindligen Höhen empor, aus denen einst die Erbauer jenes babylonischen Thurmes unheilvolle Verwirrung der Sprachen und der Begriffe heimbrachten. Für die jüdischen Vertreter dieser Richtung galt wohl jederzeit der Grundsatz: מקרא יוצא מדי פשוטו pNL fand aber dennoch nicht immer practische Anwendung, während die nichtjüdischen Repräsentanten der symbolischen Schriftauslegung nach wie vor mit massloser Willkür verfahren. Fassen wir nun die kritische Richtung ins Auge, so begegnen wir hier einem nicht minder willkürlichen Gebahren, wiewohl unter Anwendung ganz anderer Mittel und Massnahmen und mit diametral entgegengesetzten Resultaten. Die kritische Schule hat allerdings das nicht zu unterschätzende Verdienst, muthig und entschlossen einer Richtung entgegengetreten zu sein, welche die Bibelexegese zum Perpendikel zwischen Pietismus und Pedantismus herabgewürdigt, und die grammatisch-historische