Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Humanität
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 11)
- Language
- German
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verbreitet, dass von mehreren Seiten der Gedanke arigeregt wurde, die römischen Juden zur Auswanderung zu veranlassen. Aber die Regierung hat dafür Sorge getragen, dass in den Juden Roms jeder Thätigkeitstrieb, jeder Aufschwung zur Selbsthülfe auf lange Zeit niedergedrückt wurde: wie also an fremdem Orte Mittel zum Fortbestehen auffinden? Zudem übt die Liebe zum Yaterlande, und stosse es uns noch so unfreundlich von sich, einen mächtigen Zauber: die Stätte seiner Geburt für alle Zeit verlassen, von der Grabstätte seiner Väter sich auf immer trennen, der Jude vermag solchen Schmerz nur schwer zu ertragen. — Als Neuestes aus Rom wird gemeldet, dass auf ergangenen Befehl die wenigen Juden, die Kaufläden ausserhalb des Ghetto hatten, sie verlassen und sich mit ihren Waaren in das Ghetto zurückziehen müssen. Ein neuer empfindlicher Schlag! Will in der That die Kirche sich nicht mit der Humanitäfc versöhnen, nicht anerkennen, dass Religion und Humanität nicht Gegensätze, sondern Humanität das eigentliebste Kennzeichen der Religion sei? Die neueste päpstliehe Encyldica eröffnet die Aussicht auf einen noch lange fortdauernden Kampf; aber der Sieg der Humanität ist gewiss, nicht Bulle und Bannstrahl vermögen sie in ihrem Siegesläufe zu hemmen: die Zeit lässt sich nicht rückwärts schrauben, vergebens werden die Geister der Vergangenheit herauf beschworen: sie werden verscheucht von dem Lichte der, der Gegenwart zum Bewusstsein gekommenen Humanität. Wir werfen nun einen Blick gegen innen. Die Syna״ Zöge-ging von jeher freudig den Bund mit der Humanität ein, und betrachtete sie als eine ihrer Grundsäulen. ״Als der Herr die Welt schuf, schwankte sie hin und her und vermochte nicht den Schwerpunkt zu finden, da nahm der Herr die Milde und gab sie ihr zur Grundlage“ wird (Midrasch Ps. 99) bildlich erzählt, und hierdurch das Lebenselement der Religion bezeichnet. Darum kennt die Synagoge nicht Verfolgungssucht und Glaubenszwang; wie