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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 1 · p. Seite 12

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 1
Article
Religion und Humanität
Date
1865-01-01
Page
Seite 12 (sequence 10)
Language
German
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׳ (;ד. Religion und Humanität. die Erkenntniss fern, welche Entwürdigung der Religion sich in dem Nichtbeachten jedes menschlichen und rechtliehen Gefühles offenbart. Die Mortara - Affaire ist noch in Aller Gedächfcniss: ein israelitisches Kind wird durch eine fanatische Frau, ohne Vorwissen seiner Eltern, dem christlichen Glauben übergeben: die Kirche heisst diese Handlung gut, die Eltern sehen ihr Kind nicht wieder, es ist ihnen entrissen: welcher Mord an dem Elternherzen! 'Und als wollte die in ihrer weltlichen Macht erschütterte Kirchesich auf derartigen Handlungen wiederaufbauen, zeigt das vollendete ״Jahr abermals einen solchen Vorfall. Ein kleiner jüdischer Knabe zu Rom, Coen, wird von einem Priester beauftragt, ihm ein Paar Schuhe nach seiner Wohnung zu bringen, und wird, daselbst angelangt, für das christliche Glaubensbekenntnis zurückgehalten. Vergebens ist das Wehklagen der jammernden Mutter, vergebens ihr Flehen bei den höheren Würdenträgern: das Kind bleibt ihr entrissen, das Elterngefühl wird mit Füssen getreten. Ein Schrei des Entsetzens durchzittert Europa: kann die Religion ihrem Wesen nach Gefallen an solchen Opfern haben? — Und solcher,Vorgang findet Nachahmung. In Warschau kam ein Mädchen seinen jüdischen Eltern abbanden, sie suchen es allenthalben, endlich leitet sie eine Spur nach dem Kloster der Felicianerinnen. Auf Befehl der Regierung öffnen sich dem verzweifelnden Vater י die Pforten des Klosters: er findet dort seine Tochter, die׳ in Thränen zerfliessend ihm erzählt, wie sie in das Kloster verlockt wurde und welche Mittel man, um sie zur Taufe zu bewegen, anwendete *). Aehnliche Vorfälle werden aus Galizien berichtet: welcher Zeit gehen wir entgegen! Wir schweigen von den vielen in Rom an den Juden verübten Plackereien. Wie traurig ihre Lage daselbst, auf welche armselige Nahrungszweige sie angewiesen sind, welches enge, Pest aushauchende Ghetto sie umfasst, wie ihnen jede nur einigermassen ehrende Laufbahn verschlossen ist, hiervon ist die Erzählung so allgemein *) So nach Berichten der Breslauer Zeitung vom Oktober.

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