Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Humanität
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
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Religion und Humanixäi. xi Nordamerica u. A., ist; nur mancher überraschende Zug mitzutheilen. Zu Saardam hat ein christlicher Bürger;eine Lotterie zu Gunsten eines von den dortigen Juden projectirten Synagogenbaues eröffnet. In Liverpool wurde der Jude Charles Morley zum Lordmayor gewählt. Diese Wahl hat jedoch ihren Vorgang in der im Jahre 1865 stattgefundenen Wahl 8. Salomon’s zum Lordmajor von London. Die jüd. Einwohner der jonischen Inseln scheinen durch deren Vereinigung mit Griechenland einer freien staatlichen Stellung entgegenzugehen. Es sind ihnen in dieser Hinsicht die feierlichsten Versicherungen gegeben worden. Wir wenden uns nun zu der Schattenseite des beendeten Jahres: den Manifestationen der Religion. Wir stehen grundsätzlich jeder religiösen Polemik fern: Polemik reizt und verwundet, und bringt nur ausserst selten Ueberzeugung hervor. Und warum Jemanden in seinem Glauben, so er ihm genügt, stören, mit welchem Rechte sich zum Streiter Gottes aufwerfen? Die Wahrheit wird nicht durch Angriffe und Streitschriften gefördert, sie bahnt sich ihren Weg durch ihre Lehren, verbreitet wie die Sonne in ruhigem Gange ihre erwärmenden Strahlen; nicht mit Gewalt, nicht durch Beeinträchtigung, sondern ״in meinen! Geiste, spricht der Ewigeider Heerschaaren“. — Nicht der christlichen Religion imputiren wir also die weiter zu bezeichnenden Erscheinungen, sondern Jenen, die sie zum Werkzeuge<unheiliger Bestrebungen machen. Und welche Anklage erhebt sich gegen sie seit Jahrhunderten, ja seit der Zeit, als die christliche Religion zur herrschenden wurde! Sie kündigt sich als ״Religion der Liebe" y.n: und welcher״Fanatismus , welche Unduldsamkeit, welche Verfolgungssucht bezeichnet ihren Weg! Sie hat die Völker gelehrt, Menschenopfer zu verabscheuen; sind ihr nicht mehr Menschenopfer in allen Wdlttheilen gefallen als die Gesammtheit der heidnischen Welt in den Jahrtausenden ihres Bestehens zählt?J Und j3ie ermüdet nicht in diesem das Wesen der Religion entstellenden Verfahren: noch scheint den sie vertretenden Männern