Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Humanität
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 8)
- Language
- German
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10 ÜeijglOU UJLia JLXUliicÄu*.bUv• /־. -- die Schweiz übrigens nur wenige zählt. Im J. 1863 wurde im Canton Aargau, wo die meisten Juden ansässig sind, die ״Judenemancipation“, trotz des Widerstandes der die ״Religion“ vertretende Partei, durchgesetzt. Diese emancipirten Juden Aargau’s sind nichtsdestoweniger in den meisten anderen Cantonen heimatlos, die Niederlassung ist ihnen verweigert. Hierdurch gerieth aber die Schweiz in einen argen Widerspruch. Sie hatte mit Frankreich einen Handelsvertrag abgeschlossen: die französische Regierung stellte als unerlässliche Bedingung, die Gleichberechtigung aller französischen Bürger ohne Unterschied : der Confession, und die Schweiz sah sich gedrungen hierauf einzugehen. Hierdurch ist französischen Juden die Niederlassung gestattet: wie nun was fremden Juden eingeräumt ist, den einheimischen versagen? Die Bundes- Versammlung ist daher darangegangeh, bei den verschiedenen Cantonen Umfrage zu halten, ob die von der Bundesverfassung gewährleisteten Rechte des Bürgers nicht von dem Glaubensbekenntniss unabhängig zu machen seien. Bis jetzt ist nur die Antwort des Cantons Schaffhausen bekannt geworden, der für Abschaffung der Beschränknngen wegen der Confession stimmt. Das Königreich Italien inaugurirt seinen Eintritt in die Reihe der europäischen Staaten durch Acte, welche manifestiren, dass es Humanität zur Grundlage seines Be- Stehens macht. Darum auch unbedingte Anerkennung der Juden. In Bologna, dem früheren Schauplatze des bekannten Kinderraubes, fungirt ein Jude als Staatsanwalt; Ritter Artom, ein Jude, und einstiger Secretär des grossen Cavour, wirkt im Ministerium des Auswärtigen und wird zu wich tigen diplomatischen Missionen verwendet. Den Juden ist, was noch wichtiger als Auszeichnung Einzelner, der früher verbotene Zutritt zu Schulen und höbereu Bildungsanstalten eröffnet; das israelitischen Scliülern häufig zu Theil gewordene Lob besagt, welche Früchte dem Staat aus seiner humanen Aussaat erwachsen werjäen. , j Aus Staaten, in denen allgemeine Berechtigung von jeher die magna Charta ist, wie den Niederlanden, England, \ 1