Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Humanität
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 7)
- Language
- German
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> bedeutend verspätet, doch wir wollen in der Freude über (die Gegenwart nicht mit der Vergangenheit rechten. Auch den Gram über Sachsen - Meiningen, Gera und ähnliche Staaten, in deren Ländergebiet die Freiheit noch nicht zum Durchbruch gekommen, wollen wir un-!erdrücken und verweilen um so lieber bei Württemb erg, das durch Anerkennung der Gleichberechtigung der Juden die letzten Spuren des Mittelalterlichen verwischt hat. Wir werfen nun den Blick über Deutschlands Grenzen hinaus. Frankreich ist beharrlich in der Aufrechthai■־ tung der Ideen, die, von seinem Boden ausgegangen, das alternde, in Stumpfheit hinsiechende Europa zu verjüngtem Staatsleben erweckten. Diese Ideen sind die Muttermilch des Franzosen; an ihnen rütteln ist das gefährlichste Spiel, es endet mit dem Sturze des Thrones. Diese Erfahrung hat KarlX. gemacht; bemerkenswert!! ist, dass unter seinen Ordonnanzen sich auch eine später aufgefundene befand, die den Juden die politische Freiheit entzog. Der Franzose kennt nicht Bürger nach (Konfessionen; Frankreichs Boden hat nur Bürger: der Staat bietet ihnen das weiteste Feld für die Anwendung ihrer Kräfte und verwendet ihre Kräfte unterschiedlos auf jedem Gebiet. Der bekannte Orientalist S. Munk, im J. 1863 zum Mitgliede der . Academie ernannt, wurde auf den Lehrstuhl der orientalischen Sprachen an der Pariser Universität berufen. Dass in der französischen Armee wie in den Gerichtshöfen Juden hervorragende Stellen einnehmen, ist eine bekannte Thatsache. — Zu erwähnen ist auch eine Manifestation echter Toleranz, wie sie nur in von Humanität getragenen Staaten sich findet. Die israelitische Gemeinde zu Paris gehet mit dem Vorhaben um, zwei Synagogen zu erbauen: der Seinepräfect, Graf Haussmann, bot im Namen der Stadt Paris der Gemeinde zwei Millionen als Darlehn an. In der Schweiz befindet sich die unfreie Freiheit in nicht geringer Verlegenheit. Die Schweiz ist trotz ihres Republicanismus unfrei: dieses beweist die nicht unbedeutende Zahl der 8. g. Heimatlosen. Zu diesen Heimatlosen gehörten in früherer Zeit auch die Juden, deren