Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Humanität
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829320-2843405--08913-2843440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ץ Religion uuä riumanität. 7׳- - *־■״:-־ ■־ and Grundlage bildet, in der Armee. Das iufsteigen zu höheren Militärchargen ist den Juden seit Jahren in Oesterreich eröffnet, die österreichische Armee zählt viele jüdische Offiziere, der vor einem Monat in Prag verstört bene Major Brisker war mehrere Jahre Stadteommandant von Venedig; auch herrscht ein wahrhaft brüderlicher Geist zwischen den jüdischen und anderen Offizieren der österreichischen Armee. — In Preussens Kriegerreihen kämpften in den Schlachten von Düppel und Alsen Juden mit Auszeichnung, ihre Tapferkeit wurde anerkannt*, doch der höchste militärische Lohn, der in Preussen dem Juden winkt, ist die Erhebung zum Unteroffizier! — Sehr wird auch der humane Geist der höheren österreichischen Staatsbeamten gerühmt. Der frühere Militär- und Civilcommandirende von Galizien, gegenwärtig Minister des Aeusseren, Graf von Mensdorf-Pouilly, bezeichnete die ihm unter schwierigen Umständen anvertraute Landesregierung durch viele Acte der Humanität: eine Deputation sprach ihm bei seinem Scheiden den Dank der Juden Galiziens aus, in deren Herzen er ein bleibenäes Andenken zurückgelassen. Auch über die humane Gesinnung des Staatsministers von Schmerling herrscht, wie auch manche politische Ansicht von der seinigen abweicht, nur eine Stimme. Ueberhaupt hat der bureaukratische Geist, der sich über den beschränkten Unterthanenverstand weit erhaben dünkt, in Oesterreich nie rechten Eingang gefunden und ist mit dem Sturze des Metternich’schen Systems vollständig erloschen. Nur wo Religion und Hurnanität einander gegenüb er treten, machen düstere Schatten sich bemerkbar. Die zu Wien erscheinende Kirchenzeitung predigt im Namen der Religion Judenverfolgung : ihr scheint es eine religiöse Aufgabe, die Behauptung zu verlechten, die Juden stillen an ihrem Osterfeste ihren frommen Durst mit Christenblut. Die Staatsanwaltschaft, die jeden noch so leisen Angriff auf die Kirche mit unnachsichtlicher Strenge rügt, verhielt sich ganz lautlos dieser, zu Hass und Verfolgung zwischen den Staatsbürgern aufreizenden schmählichen Verläumdung gegenüber. Das religiöse Blatt, durch diese wohlwollende Nach