Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 17)
- Language
- German
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Alte und. neue Zeit. 19 bleiben: mit dem Eintritte in grössere Lebenskreise and den erweiterten gesellschaftlichen Verhältnissen, mit dem Fortschritte der Wissenschaft und ihren allenthalben sich aasprägenden Resultaten ist der naive Glaube bedrohet; und wenn Entwickelung in und durch das Leben, wenn Forschen und Wissen die Vervollkommnung des Menschen bedingen, so muss wie dem vorgerückten Menschen das Naive der Blindheit, dem in weiteren Kreisen sich Lewegenden das Naive des Glaubens abgehen. Aber das Innerliche, das Begeisternde und Belebende des Glaubens soll für immer verbleiben. Und da wollen wir unsere Zeit nicht unterschätzen: sie ist. da sie im Mannesalter, nicht durchwärmt und durchglühet wie die ehemalige, und dennoch, betrachten wir manche früheren Tage, so sind die heutigen besser. Als nach der langen Finsteralss pedantischer Kathedergelehrsamkeit die Strahlen des freieren Forschens sich über die Geister ergossen, blieben auch die Juden nicht von ihnen unberührt: Mendelssohn hatte den Weg angebahnt, seine Schule ihn weiter betreten. Aber der Meister hatte in frommer Absicht einen verunglückten Ausgleich, zwischen Glauben und Forschen versucht, seine Nachtreter würdigten in ekelerregender Frivolität weder Forschung noch Glauben. Mendelssohn, in der Wolf'scheu Schule grossgezogen, war mit seinem Beweise für das Dasein Gottes schlagfertig zur Haud. es bedurfte nach seiner Ansicht nicht des geoffenbarten Glaubens, um. es zu lehren, die Offenbarung hatte nur die Mitthellung־ des Ceremonialgesetzes zum Ziele. Da war nun das Beseligende und Erhebende des Glaubens, Was das begeistemdste Hochgefühl erweckt und den Beweis für das Unmittelbare seiner Göttlichkeit an die Hand gibt, mit einem Schlage beseitigt, und die Verbindlichkeit für das Cereinoniaigesetz nur im historischen Glauben gefunden. Seine Nachbeter, die, blind auf die Worte des Lehrers schwörend, ihn weder an Tiefe erreichten noch von seiner Frömmigkeit beseelt waren, nahmen im .Judenthum nichts als ein (Konglomerat von sich überlebten, keine Verbindlichkeit mehr habenden Ceremonialgesetzen wahr. Ein flaches, verwässertes Raisonnement über Gottes Eigen-