Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 16)
- Language
- German
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18 Alte und neue Zeit. Montefiore hat trotz seines hohen Alters sieh aufge-1 macht und. sich unter dem Schutze Englands, trotz der f ungünstigen Jahreszeit, nach Madrid begeben. Wird die f spanische Regierung diesem beredten Vertreter widerste-1 hen können, wird nicht die Sehen vor der Oeffentlichkeit ' sie zwingen, jenen Barbareien Einhalt zu thun und die beleidigte Menschheit durch die Abberufung des Gesändteu zu sühnen? Wenden wir nun unser Auge nach innen. ״Die früheren Tage waren besser,“ so rufen Viele bei dem Anblicke der religiösen Zustände der Gegenwart. Die früheren Tage, wo Religion der Lebensäther, welchen das Kind bei seinem Entstehen einathmete, Religion der aussehliessliehe Gedanke von der Wiege an bis zum Grabe. Religion, das Familienband und der Schutzengel des Hauses. Sie war der treue Begleiter durch das Leben, durchdrang alle Handlungen und zu ihr wurde jede Thäfcigkeit zurückbezogen; der Israelit fand in der religiösen Aus- Übung seine höchste Wonne und brächte ihr freudig die grössten Opfer, ex ־kannte sogar nicht die Benennung Opfer, die Religion war ihm ein Naturwüchsiges, in ihr und dem von ihr Vorgeschriebenen war sein ganzes We- -sen aufgegangen. Diese Innerlichkeit des Glaubens ist unseren Tagen fremd, an ihre Stelle ist Gleichgültigkeit und Nichtbeachtung des Glaubens, materielle Knechtschaft und blindes Schmiegen an die Zeit getreten, und es drohet uns der Glaube ganz abhanden zu kommen. — Und dennoch sind unsere Tage, so wir sie nach ihrer Grundbedingung würdigen, nicht schlimmer als die früheren. Wenn der Weise die früheren Tage nicht besser genannt wissen will, so hat er wohl nicht übersehen, dass die Zeit der Kindheit als die glücklichste betrachtet wird; aber es ist die Bestimmung des Menschen, dass die Psyche sich entwickele -und das Gehäuse ' der Unschuld durchbreche, das Böse soll an ihn herannahen und er soll forsehen und prüfen und sich seihst bestimmen. Der naive Glaube beglückt, aber der Glaube kann nicht immer naiv