Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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12 Alte und neue Zeit. macht. Die französische Literatur befasst sich selten mit Juden und Judenthum; kommen mitunter in mancher kirchlichen Schrift plumpe Ausfälle vor, so richten sie sich selbst und gehen spurlos vorüber. Der Akademiker Ern es t Renan hat im vorigen Jahre eine Schrift ״Vie de Jesus" veröffentlicht, die nachtheilige Folgen befürchten liess. Der Verfasser stellt den Stifter der christlichen Religion als ״ein in einem beschränkten Gedankenkreise sich bewegenden Idealisten>" und sein Leben als ״romantische Idylle" dar; er spricht dem ״zart- und tief fühlenden Schwärmer" die Originalität seiner Lehren ab, diese hat er bei den jüdischen Lehrern vorgefunden, seine Göttlichkeit liegt in seinem tiefen Gefühle. Erschrocken über den Eindruck, den diese Darstellung auf viele Katholiken machen müsse, sucht Renan sie durch Anhäufung der ungerechtesten Anschuldigungen gegen das jüdische Volk mit sich auszusöhnen und mindestens von der Seite des Judenhasses sich als echt Gläubigen zu zeigen. Manche seiner Aussagen widerlegen sich von selbst, so wenn er (8. 60 der 2ten Ausgabe) den Juden Härte, Selbstsucht, Grausamkeit u. 8. w. vorwirft: die geringste Bekanntschaft mit dem Juden sagt, dass gerade die Gegensätze von Härte nnd Grausamkeit ihn charakterisiren. Nicht wenig entstellt oder aus dem Zusammenhang gerissen sind 111־ ehrere beigebrachte Citate aus jüdischen Schriften; der Kenner nimmt auf den ersten Anblick das Unzutreffende wahr. Aber der ״religiöse Roman" ist in Tausenden von Exemplaren verbreitet, auch scheint es dem Verfasser nicht auf Gründlichkeit angekommen zu sein, er ־wollte dem Geschmacke des grossen Publikums schmeicheln. Doch die Tage ־ sind besser geworden; jiidenfeindliche Schriften fanatisiren nicht mehr (und es darf auch wohl zur Ehre Renan’s gesagt werden, dass er solche Zwecke nicht verfolgte, in solchem Sumpfe wälzen sich nur bornirte Priester, wie Sebastian Brunner, oder feile Ueberläufer, wie Bruno Bauer), sie fordern im Gegentheile wahrhaft Gebildete zur Ehrenrettung heraus. Das Jahr hat hier eine schöne Seite verzeichnet. Ern es t Havet, Professor an der Sorbonne, besprach in der Revue des