Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
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Alte und neue Zeit. il durch die angedrohte Einverleibungeiner deutschen Provinz in fremdes Gebiet tief verletztes Recht und schwer gekränkte Ehre mit aller Kraft einstehen, aber es muss mehr dieses Motiv, als die Devise ״Der-verlassene Bruderstamm,“ voran gestellt werden. Dem ״Bruderstamm"׳ drohet vielleicht grössere Verlassenheit unter seinem mit Junkerthum stark durchwürzten Ständestaaten Zeuge, was diese Stände gegen Mitmenschen, gegen Juden ausführten, denen nicht nur jede freiere Bewegung, sondern an manchen Orten selbst das Anheirathen ausser ihrem Dorfe untersagt war; Zeuge die langjährige Stagnation und dass der Anstoss zu jeder liberalen Bewegung von Dänemark aus kommen musste; Zeuge endlich Mecklenburg, wo ein ״Bruderstamm“ unter seinen Ständen in wirklicher ״Verlassenheit“ seufzt, einem Bruderstamme täglich engere Fessein der Leibeigenschaft geschmiedet werden! Wir richten nun den Blick über Deutschlands Grenzen hinaus. Frankreich erfreuet sich einer Errungenschaft, die kein Dynastien- und Systemwechsel ihm zu rauben vermag: der Staat kennt nur den Bürger, nicht die Confession; dieser Satz bildet das politische Glaubensbekenntniss des Franzosen. Der Jude verschwindet also vor dem Bürger, dem specieilen politischen Bericht ist der Boden entzogen. Es wurde daher auch in der vorjährigen Ueber* schau der Besuch des Kaisers der Franzosen bei dem Baron Rothschild zu Ferneres nicht hervorgehoben: dieses war eine dem Bürger, nicht dem Juden gewordene Aus- Zeichnung. Um so freudiger gedenken wir des Contrecoup, den Baron Rothschild manchen spöttischen Bernerkungen entgegengesetzt, die in diesem Besuche den Juden und den Kaiser einander gegenüberstellten. In demselben Schlosse, das den Kaiser aufgenommen, errichtete Roth- Schild seinem Gotte ein Bethaus und weihete es mit der Ermahnung an seine Söhne ein, diesem Gott stets treu zu bleiben. Der Jude erkennt einen höheren als den irdisehen Herrscher; der Bürger fühlt sich geehrt durch den Besuch des Kaisers, bei dem Juden ziehet der Gott der Ewigkeiten ein. — Einen vorübergehend unangenehmen Eindruck hat eine in Frankreich erschienene Schrift ge-