Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
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7 Alte und neue Zeit. Zieles des Wissens und der wissenschaftlichen Belehrung. — Fügen wir noch hinzu, dass das Streben, die Gleich- Berechtigung zur vollen Wahrheit zu machen, sich in den verschiedensten Zweigen inanifestirt. Ein in der diesjährigen Session von dem Abgeordneten v. Mühlfeld eingebrachter Antrag auf Verleihung des Notariats au jüdische Rechtsanwälte wurde von dem Justizminister unterstützt und durch Zustimmung der beiden Häuser zum Gesetze erhoben. Kann nun ein Zweifel obwalten, dass die heutigen Tage besser sind? — Aber sie verbleiben nur auf dem Niveau des Besseren; gut können sie noch nicht genannt werden. Die neue Verfassung Oesterreichs ist noch im Flusse, hat Vollendung und Abschluss noch nicht erreicht; es stürzt daher zuweilen der folgende Tag um. was der vorhergehende aufgerichtet, hebt ein späterer, beschränkender Paragraph den früheren freisinnigen auf. Wir erinnern an das in der diesjährigen Session zu Stande gebrachte Heimatsgesetz. Nach dem Februarpatent ist jedem Staatseinwohner ohne Unterschied des Bekenntnisses allenthalben das Recht der Niederlassung und Ansässigmachens gesichert; das neue Heimatsgesetz macht die Niederlassung von der Einwilligung der Gemeinde- Obrigkeit abhängig. So ist denn nun jenes Recht illusoriseh; die Verfassung sichert es zu, die Staatsregierung als Wächterm der Verfassung stehet dafür ein, der Bürgermeister der Gemeinde lässt es nicht zur Ausführung kommen, und er hat hierzu ebenfalls ein verfassungsmässiges Recht: und so lebt das kaum beseitigte Ghetto wieder auf. Denn der Jude, zum Bewusstsein der Freiheit gelangt, kennt nun nur ein ungetheiltes Vaterland, ihm will er ganz angeboren und es ganz sein nennen, die Ausschliessung von mancher Provinz, mancher Stadt erweckt in ihm vielleicht einen noch tieferen Schmerz, als ihn die Absperrung in einigen Strassen in seinen mit dem Gedanken an Knechtschaft gewaltsam vertraut gemachten Vätern wachrief. Dass unter diesem Heimatsgeselze auch Protestanten leiden und es wesentlich als Gebart der nothgedrungenen Beschwichtigung der gegen die Ansässigmachun'g der Protestanten fanatisirten Tyroler bezeichnet